Fehlfarben live in Potsdam : Grauschleier über der Stadt

Die Fehlfarben spielten ihr legendäres Album „Monarchie und Alltag“ im Potsdamer Lindenpark einmal komplett durch. Im Juni kommen die Düsseldorfer auch nach Berlin.

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Fehlfarben-Sänger Peter Hein in Potsdam.
Fehlfarben-Sänger Peter Hein in Potsdam.Foto: imago/Martin Müller

„Schön, dass ihr alle da seid, aber das hättet ihr in den vergangenen Jahren auch billiger haben können.“ Peter Hein, Sänger der Fehlfarben, war stets ein Freund direkter Worte. Das legendäre „Monarchie und Alltag“-Album der Düsseldorfer Band von 1980, alle elf Songs auf die Bühne gebracht – für gut 1000 Fans war das Grund genug, am Samstag Abend die alte Lederjacke aus dem Schrank zu holen, zum Potsdamer Lindenpark zu pilgern und dem Konzert einer Band zu lauschen.

Ihrer Band, die zu Beginn der Achtziger mit dieser Mischung aus ruppigen Gitarrenriffs, näselndem Saxofon, leichten Funk-Elementen und harten Textfragmenten die Musikszene betrat, kolossal wie eine Naturerscheinung, irgendwo verortet zwischen Punk (mehr) und Neuer Deutscher Welle (weniger).

Klar, die siebenköpfige Gruppe – mehrfach getrennt, vereint, jetzt fast in Originalbesetzung – ist in die Jahre gekommen, Frank Fenstermachers Saxofon hat man aus „Monarchie und Alltag“ kräftiger im Ohr. 

Das Lebensgefühl einer Generation

Peter Hein ist auch nicht mehr 23, sondern fast 60, aber seine assoziativen Slogans („Es liegt ein Grauschleier über der Stadt, den meine Mutter noch nicht weggewaschen hat“) und herausgebrüllten Titel wie „Apokalypse“, „Das war vor Jahren“ oder „Militürk“ treffen ins Mark. Das Gefühl einer Generation zwischen Kleinbürgertum, Helmut Schmidt, musikalischem Aufbruch und Nato-Doppelbeschluss – ein zorniges Album ohnegleichen, auch 37 Jahre später noch.

Als „Paul ist tot“, das letzte Stück des Albums, ganz langsam verklingt, steht Gitarrist Thomas Schwebel für Minuten allein auf der Bühne. Dann geht er ab. Der Rest der Band um Peter Hein kommt zurück und spielt eine Handvoll Songs aus jüngerer Zeit, das ruppige „Platz da“ etwa. So recht will das nach „Monarchie und Alltag“ nicht mehr berühren. Das hätten wir nicht billiger haben können.

Wieder am 23. Juni in der Berliner Volksbühne

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