Kultur : Feiern im Quadrat

Tanzen, trinken, Kleider lüpfen: Wie die Berlinale-Gäste die zweite Woche des Festivals begrüßt haben

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Love & Peace heißt das kleine Mädchen im weiten roten Kleid. Selbstversunken tanzt es ganz allein auf der Bühne im Ballsaal des Hotel de Rome. Rasch wird es zum Star des Dom-Pérignon-Salons. Das Bad in der Champagner-Menge gönnen sich an diesem Abend unter anderem Matthias Schweighöfer , Robert Stadlober und Franziska Knuppe . Love & Peace ist eigentlich die Übersetzung des chinesischen Namens der kleinen Tochter von Hongli Gong und Peter Finkbeiner . Der ist Filmfans noch in Erinnerung als Darsteller in dem Kinder-Klassiker „Emil und die Detektive“. Gerade kommt er vom nebenan stattfindenden Cocktailempfang für Sharon Stone. „Wollen wir uns morgen zum Kinderfrühstück treffen?“, fragt Veronica Ferres . Die Schaupielerin scheint omnipräsent zu sein und gehört zu den wandelnden Beweisen für die These, dass auch kurzer Schlaf schön machen kann.

All zu lang dürfte auch die chinesische Schauspielerin Bai Ling nicht geschlafen haben. Zur Eröffnung der ihr gewidmeten Fotoausstellung „8 Spirits“ am Sonntagabend ist sie extra nach Berlin gereist. Zur Stadt hat Bai Ling ein ganz besonderes Verhältnis: Seit ihren extravaganten und zumeist leicht bekleideten Auftritten auf der Berlinale vor zwei Jahren hat sie hier den Spitznamen „Berlinackte“ weg. Auf exzessive Tanzeinlagen, bei denen der Aktrice das Dekolleté aus dem Kleid rutscht, brauchen die Ausstellungsbesucher in dem backsteinernen, fensterlosen Rohbau in der Fehrbelliner Straße in Mitte allerdings nicht zu hoffen – blanke Haut wird ihnen diesmal in künstlerischer Form geliefert. Auf den innerhalb der letzten vier Jahre mit Fotograf Udo Spreitzenbarth entstandenen Bildern posiert Bai Ling zumeist unbekleidet. Um trotzdem eins draufzusetzen, verrutscht ihr am späten Abend doch noch der Ausschnitt und legt frei, was auf den Hochglanzabzügen ohnehin schon zu sehen ist. Interessieren tut das aber niemanden mehr so recht.

Neues beim Empfang von Nordrhein- Westfalen: Die Party, die alljährlich in der Landesvertretung am Tiergarten ausgerichtet wird, litt in der Vergangenheit an der Atmosphäre einer rheinischen Sparkassenzentrale, die der Neubau nunmal ausstrahlt. Am späten Sonntagabend hat die Party-Regie mit Lounge-Mobiliar in den Nebengelassen und einer Showtreppe am Eingang aufgerüstet, und die Gastgeber, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Michael Schmid-Ospach , Geschäftsführer der Filmstiftung NRW, halten keine schwerfälligen Ansprachen, nur kurze Begrüßungen. So heißen sie nicht nur die European Shooting Stars willkommen, sondern auch zahlreiche Promis aus dem deutschen Filmbiz, darunter Tom Tykwer , Marie Bäumer , Regina Ziegler . Aber auch Mario Adorf und Jeff Goldblum mischen sich unters Partyvolk. Es ist diese Mischung aus Hollywood und Hückelhoven, die den Reiz dieses zahlenmäßig größten Empfangs ausmacht. Und der Stolz darauf, dass Festivalchef Dieter Kosslick auch aus NRW kommt. „Ohne den wäre das alles hier nichts“, sagt Schmid-Ospach.

Um 23 Uhr öffnet das Sopranos am Kurfürstendamm zur „Blue Bear Night“, der traditionellen Berlinale-Party von Constantin-Film-Vorstand Thomas Peter Friedl und Oliver Berben . Der Produzent strahlt, als käme er direkt aus dem Urlaub, dabei waren die Festivaltage stressig. Zum Filmegucken hatte er kaum Zeit, immerhin hat er sich den Eröffnungsfilm „La vie en rose“ angesehen. Wunderschön und ergreifend sei der, schwärmt der 35-Jährige. Verständlich, der Streifen ist ja auch aus dem Hause Constantin. Ob Berben die Festivaltage wenigstens nutze, seine Freunde aus der Filmbranche zu treffen, wird er gefragt. Der Produzent überlegt, will wohl nicht bemitleidet werden und weicht aus: „Ich habe doch eh nicht viele Freunde.“ Das sieht im Sopranos aber ganz anders aus: Unter anderem sind Udo Jürgens , Heino Ferch und Oliver Kalkofe gekommen. Sönke Wortmann hockt mit Caipirinha bei einem Rudel Jungschauspieler. Nur Constantin-Film-Besitzer Bernd Eichinger fehlt, er hat in Los Angeles zu arbeiten. Dafür hat er Frau und Tochter geschickt. Und Berben fiebert schon der Verleihung am Sonnabend entgegen. Da denkt er mal nicht ans Geschäft oder Constantin Film, sondern ganz patriotisch. „Wäre toll, wenn einer der beiden deutschen Beiträge etwas gewinnen würde.“ Bi/hey/oew/sel

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