Kultur : Fein gezogen

Der Klee-Schüler Hubert Berke bei Zellermayer.

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Rauten und Rechtecke. Die Gouache „Masken im Sumpf“ (1943). Foto: Galerie Zellermayer
Rauten und Rechtecke. Die Gouache „Masken im Sumpf“ (1943). Foto: Galerie Zellermayer

Die schwarze Farbe saugt sich in die Leinwand, in einem zufälligen Prozess bilden sich Strukturen mit fraktalen Baumverästelungen an den Rändern. An einigen Stellen diffundieren sie, als würde eine Welle die Farbe auseinanderwirbeln. Wie Bäume oder asiatische Schriftzeichen zeigen sich kräftige Balkenlinien in Hubert Berkes Gouachen – Reminiszenzen an seine Ausbildung an einer Missionsschule im Odenwald. Durch die diffusen Ränder der Körperformen und die weit aufgerissenen Augen gewinnen auch die in der Galerie Zellermayer ausgestellten „Maskenbilder“ der frühen Nachkriegszeit ihre düstere Ausdruckskraft. Die Serie ist durchaus politisch zu verstehen: Berkes Frau, selbst Künstlerin, hatte sich während seiner Soldatenzeit mehrfach wegen ihrer Freundschaft mit verfolgten Sinti und Roma in Höhlen und Wäldern verstecken müssen.

Mit Arbeiten bis in die 1960er Jahre präsentiert Zellermayer (Preise: 300–30 000 Euro) einen Ausnahmekünstler des Informel, der seine Prägung als einer von fünf Meisterschülern Paul Klees in dessen kurzer Düsseldorfer Direktorenzeit bis 1933 fand. Die „ostasiatische Mischung“ (Klee) entwickelte allerdings ihre eigene Bild- und Kunstsprache. In den Großformaten der vom Jazz beeinflussten Reihe „Negro Spiritual“ kratzte Berke schwarze Bahnen in den Farbauftrag. Sehr überzeugend „Moribunda“ – ein dunkles Großformat, das auf braun-violettem Grund im Zusammenwurf der Farbflächen eine Figur entstehen lässt und in einem Zeitungsabdruck eher dezent auf die Collage anspielt. Seine späten Reisebilder aus Syrien, Holland, Sylt gehen den Weg der Abstraktion weiter. Auch hier werden Gouache und Aquarell bevorzugt, die schwarzen Steine aus Sylt lösen sich auf wie Ruß.

Zellermayer stellte bereits die Experimente mit Nagelplastiken und mit kinetischen Skulpturen des frühen Documenta-Teilnehmers aus, der nach dem Krieg in der legendären Berliner Galerie Rosen präsent war. Markus Bauer

Galerie Zellermayer, Ludwigkirchstr. 6; bis 29.6., Di–Fr 13–18 Uhr, Sa 11–14 Uhr

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