Kultur : Feindesliebe

chp

Von wegen bonbonbunt - die Kanten sind scharf, dass man sich dran schneiden kann. Die Werkserie von 14 Aluminium-Reliefs, die Frank Stella Heinrich von Kleists Novelle "Die Verlobung in St. Domingo" gewidmet hat, ist so trügerisch und tragisch wie die Geschichte von der Feindesliebe zwischen der Mestizin Toni und dem Schweizer Gustav auf Haiti: Sie endet tödlich. Zarte Bande und der Traum vom Glück "an den Ufern der Aar" (so die Titel der beiden abgebildeten Arbeiten), der keine Chance hat inmitten eines Krieges, eines Kulturkampfs, einer Rachefehde. Der Amerikaner Stella, der "Die Verlobung" die amerikanischste und aktuellste Erzählung des Dichters nennt, ist beeindruckt von Kleists "ungeheurer Wucht der Sprache, dem filmähnlichen Tempo der Handlungen und dem schwindelerregenden Wechselspiel von Realität und Illusion". Die Ausstellung "Heinrich von Kleist by Frank Stella" ist noch bis zum 18. November im Württembergischen Kunstverein Stuttgart zu sehen, der zweibändige Katalog kostet 58 Mark.

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