Kultur : Feine Früchte

Auktionen bei Bassenge

Michaela Nolte

Rund 40 Stillleben aus der Hand des Pseudo-Hiepes sind bekannt. Rätsel aber gibt die Identität dieses Malers auf, der um 1650 in Spanien gewirkt hat. Zunächst als „Lombardischer Meister der Fruchtschale“ bezeichnet, nennt ihn die Forschung aufgrund des archaisierenden Stils und der Nähe zu Tomás Hiepes heute Pseudo-Hiepes. So rätselhaft seine Herkunft ist, so eindeutig ist die malerische Delikatesse und Qualität seines „Früchtestilllebens mit Birnen, Pfirsichen und Kirschen“. Mit einer Schätzung von 60 000 Euro zählt es zu den Trouvaillen der „Gemälde und Zeichnungen Alter und Neuerer Meister“, die bei Bassenge versteigert werden.

Museales wie Heinrich Drebers „Buchenwald bei Merschweige“ findet sich auch bei den Zeichnungen. 1878 erwarb Richard Schöne, Generaldirektor der Königlichen Museen zu Berlin, das Blatt aus dem Nachlass, das nun mit 6000 Euro zum Aufruf kommt. Von exquisiter Provenienz ist außerdem eine Federzeichnung von Joseph Anton Koch. Die „Römische Campagna bei Paliano“ befand sich einst im Besitz des Privatsammlers und Mäzens Eduard Cichorius. Die überaus nuancierte Zeichenkunst des Deutschrömers ist mit 32 000 Euro bewertet.

Wenngleich das Auktionshaus sein Profil mit Blick auf traditionelle Gemälde erfolgreich geschärft hat, bleibt der höchste Schätzpreis doch der Druckgrafik vorbehalten. Nur gebührt er dieses Mal nicht Altmeister Rembrandt, sondern Francisco de Goyas „Los Desastres de la Guerra“. Ein vollständiges Exemplar mit 80 Radierungen der 1863 gedruckten Erstauflage geht mit 75 000 Euro ins Rennen. Die Kunst des 20. Jahrhunderts wird von einer Warhol’schen „Marilyn“ (60 000 Euro) angeführt. Und aus einer rheinischen Privatsammlung kommen 32 expressionistische Papierarbeiten mit Aquarellen von Ernst Ludwig Kirchner (30 000 Euro), Lyonel Feininger (18 000 Euro) und Emil Nolde (12 000 Euro). Michaela Nolte

Auktionshaus Bassenge, Erdener Straße 5a; Vorbesichtigung: heute 10–18 Uhr, So. 12–18 Uhr, Mo. & Di. 10–19 Uhr. Auktionen: Druckgrafik: 29. November, ab 10 Uhr, Gemälde und Zeichnungen: 30. November, ab 10 Uhr, Kunst des 20. Jahrhunderts: 1. Dezember, ab 15 Uhr.

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