Kultur : Feldforscher

Zum Tod des Berliner Künstlers Fritz Rahmann

Nicola Kuhn

Für die jüngere Berliner Kunstgeschichte, die achtziger Jahre der Mauerstadt, ist der Name Fritz Rahmann ein fester Begriff. Berühmt geworden ist der im Stillen arbeitenden Künstler trotzdem nicht, Starstatus erwarben sich die anderen, die neuen Wilden: die Maler Rainer Fetting, Salomé und Karl Heinz Hödicke, deren Bilder den Dschungel der Großstadt in grellen Farben feierten. Rahmann verstand sich hingegen als Feldforscher, Planer, Spurensammler und porträtierte auf seine Weise die Metropole.

Legendär wurde 1980 die erste gemeinsame Aktion der Künstlergruppe „Büro Berlin“, zu der neben Rahmann auch Raimund Kummer und Hermann Pitz gehörten. Das Trio erklärte einen Tag lang den damals kaum genutzten Bahnhof Gleisdreieck zu seiner urbanen Bühne. Rahmann inszenierte aus Folie, Holz und Absperrband drei Baustellen, mit denen er den Bahnsteig zum Kunstort machte. Gerade darin bestand die Philosophie der eigenwillig arbeitenden Gruppe: den öffentlichen Raum als Ausstellungsstätte zu okkupieren. „Jeder Ort könnte eine Stelle für Kunst sein“, sagten sie. Und: „Das Objekt allein ist nicht mehr wichtig.“ Damit machten Rahmann & Co. im Versuchsfeld West-Berlin vor, was in den neunziger Jahren in der jungen Kunst zum Trend werden sollte.

Geblieben sind von diesen Aktionen am Ende nur Fotografien, Zeichnungen, Erinnerungen, die kommerziell kaum einträglich waren. Rahmann, der zunächst Malerei und Grafik in Düsseldorf, dann Philosophie und Architektur in Aachen studiert hatte, musste sich deshalb seinen Lebensunterhalt mit dem Bau von Wagen für den Düsseldorfer Karnevalsumzug verdienen. 1993 erhielt er einen Ruf an die Weimarer Bauhaus-Universität. Vor drei Jahren widmete das Haus am Lützowplatz dem Documenta-Teilnehmer (1987) und Vertreter des „situationistischen Konstruktivismus“, wie der Kunsthistoriker Ulrich Bischoff die Methode Rahmanns bezeichnete, eine Retrospektive – vornehmlich mit Dokumenten. Der gebürtige Berliner ist in der Nacht zum Montag im Alter von siebzig Jahren in seiner Heimatstadt gestorben.

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