"Feldzug durch Leipzig" : Rap in Wallensteins Lager

Zum 50. Geburtstag des Leipziger Schauspielhauses setzt Intendant Wolfgang Engel Schillers Trilogie "Wallenstein" spektakulär in Szene: Am 3. März gibt es ein Theaterfest quer durch die ganze Stadt.

Leipzig - Am Nachmittag tagt der Kriegsrat im Gemäuer der einstigen Baumwollspinnerei. Am Abend stirbt der Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres auf der Bühne des Schauspiels. Und kurz vor Mitternacht erklingt ein Vielvölker-Rap am Völkerschlachtdenkmal. Am Samstag (3. März) hat eine neue Fassung der berühmten Schiller-Trilogie "Wallenstein" in Leipzig Premiere. In der acht Stunden langen Inszenierung, mit der der 50. Geburtstag des Schauspielhauses in der größten sächsischen Stadt gefeiert wird, führt Intendant Wolfgang Engel Regie.

"Ein Feldzug durch Leipzig" lautet der Untertitel des dreiteiligen Stücks. "Wir beginnen in der Baumwollspinnerei, einem alten Fabrikgebäude, das nur karg ausgestattet wird, wie für einen improvisierten Kriegsrat", sagt der musikalische Leiter der Inszenierung, Thomas Hertel. "Ein Ambiente, das an aktuelle Bilder erinnert." Dann geht es per Bus-Shuttle ins Schauspielhaus, wo Wallenstein sich mit den Schweden verbünden will, um gegen den Kaiser ins Feld zu ziehen. Aber der Plan scheitert. Der Feldherr wird ermordet.

Knittelverse mal anders

Doch damit ist das Drama um Treue und Verrat, Liebe und Intrige in Leipzig noch nicht vorbei. Vor imposanter Kulisse folgt der sonst erste, diesmal jedoch dritte Teil des Schiller-Werkes: "Wallensteins Lager". Ausgediente Bundeswehr-Pontons, die auf einem Teich vor dem Völkerschlachtdenkmal schwimmen, sind die nächtliche Bühne. Das Publikum steht auf den Treppen des Völkerschlachtdenkmals - mit dem riesigen Bauwerk im Rücken.

Auf der schwimmenden Bühne rappen Jugendliche zusammen mit jungen Darstellern des Schauspielhauses Schillers Verse. Begleitet werden sie unter anderem von einem Schlagzeuger des Erfurter Rappers Clueso und einem DJ. "Der Rap ist einfach eine moderne und politische Ausdrucksform für die im Knittelvers gereimten Stimmen aus dem Kriegsvolk über ihren Feldherrn Wallenstein", sagte Hertel.

Die Söldner und das Volk werden dargestellt von Leipziger Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren, angeführt von drei Schauspielern des Leipziger Ensembles und unterstützt von acht Schauspielstudenten. Die trommeln auf Ölfässern und verstärken die Rap-Rhythmen chorisch. Während in "Wallensteins Lager" der rhythmisch musizierte Vers das Theater versinnliche, stünden zuvor in "Die Piccolomini" und "Wallensteins Tod" Schillers Worte im Mittelpunkt, sagt Hertel.

Engels letzte, große Inszenierung

Das Drama spielt im 30-jährigen Krieg (1618-1648), einem Religionskrieg; Wallenstein befehligt ein Vielvölkerheer. "Auch heutzutage steht das Aufeinanderprallen von Ethnien und Religionen im Brennpunkt. Vielleicht kann man Wallenstein als einen der ersten Warlords der europäischen Weltgeschichte bezeichnen", sagte Hertel. Die Titelrolle spielt der 33-jährige Stefan Schießleder, gerade erst aufgefallen in Konstanze Lauterbachs Inszenierung von Heiner Müllers "Zement".

Im deutschsprachigen Raum wird die Trilogie derzeit noch von Peter Stein in einer ehemaligen Brauerei in Berlin inszeniert - mit dem 63-jährigen Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle. Der Leipziger Wallenstein ist eine der letzten, großen Inszenierungen von Wolfgang Engel, der 2008 seine Intendanz beenden wird. (Von Sophia-Caroline Kosel, dpa)

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