Kultur : Fergie

Diese Woche auf Platz 50 mit: „The Dutchess“

Ralph Geisenhanslüke

US-Bürger auf Europareise halten schon mal Neuschwanstein für die Hauptstadt von Heidelberg. US-Bürger, die Filme drehen, sparen sich häufig die Reise. Paris? Bauen wir im Studio nach – billiger, besser und ohne Taubendreck. Also müssen wir Fergie schon nachsehen, dass sie für ihr Video zu „London Bridge“ tatsächlich vor der Tower Bridge posiert. Fergie ist ohnehin eher eine Arbeiterin der Hüfte als eine der Stirn, der man auch den Rechtschreibfehler im Albumtitel verzeihen würde. Aber der erfolgte wohl absichtlich und aus rechtlichen Gründen. Denn bei Fergies Selbsterhebung in den Adelsstand waren vielleicht juristische Händel zu befürchten. Fergie, die Sängerin der Black Eyed Peas, und Fergie, die Duchess of York, haben vielleicht den gleichen Nachnamen und sind schicksalsgeprüft, aber sie leben in unterschiedlichen Welten. Sarah Ferguson, von der Boulevardpresse gehetzte Ex-Frau von Prinz Andrew, hat nach ihrer Scheidung Weight-Watchers-Bücher geschrieben. Stacy Ferguson war vor einigen Jahren amphetaminabhängig, wog kaum mehr als 40 Kilo und gaukelte ihren Freunden Magersucht vor. Sie ist drüber weg und redet mittlerweile im Fernsehen drüber.

Fergie, die Sängerin, spielte bereits mit neun Jahren in Kinderserien und setzte dann ihre Hoffnungen in eine zu Recht vergessene Girl-Group namens Wild Orchid. Mit deren Karriere brach auch Fergies Welt zusammen. Die hat Will.i.am nun wieder aufgebaut. Vielleicht liegt es an der gängigen Rezeptur – blonde Frau, schwarze Beats –, dass Fergie nun stark an Gwen Stefani erinnert, das andere All- American-Girl. Irgendwann, das wissen wir, bekommen diese Girls, ähnlich wie ihre Übermutter Madonna, Sehnsucht nach der Alten Welt. Bis dahin hat Fergie noch Zeit für Nachhilfestunden in Geografie. Sie wohnt, so ist zu lesen, noch bei ihrer Mutter.

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