Kultur : Fernsehen als Volksbühne

Zum Tod des Regisseurs Egon Monk

Thilo Wydra

„Unterhaltung und Unterrichtung müssen sich ja nicht ausschließen“, meinte Egon Monk einmal. Eine Maxime, an die er sich stets hielt, vor allem in seinen Fernseh-Mehrteilern. Monk, am 18. Mai 1927 in Berlin geboren, wurde ein Wegbereiter dieses besonderen TV-Formats. Denn der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler, der seine Laufbahn als Assistent in Brechts Berliner Ensemble begann, wechselte früh von der Theater- in die Fernsehwelt, ging 1953 vom Osten in den Westen, zum Rias Berlin, dann zum NDR. Und dort, beim NDR, wo der junge Monk zunächst als Dramaturg und Regisseur von Hörspielen arbeitete, übernahm er 1960 die Hauptabteilung Fernsehspiel, die er bis 1968 leitete.

Ein Markstein in Monks Berufsleben, eine wesentliche Zeit aber auch für das deutsche Fernsehspiel, das er entscheidend mitprägte: Der Begründer einer „Neuen Hamburgischen Dramaturgie“ verantwortete zwar auch populäre TV-Klassiker wie „Die Unverbesserlichen“ (1965-71) mit Inge Meysel oder „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ (1966) mit dem späteren Horst „Derrick“ Tappert. Doch machte er fortan das Schwergewichtige, Literarisch-Historische, auch Sperrige zu seiner Sache: Hans Fallada adaptierte er in der fünfteiligen Serie „Bauern, Bonzen, Bomben“ (1973), Lion Feuchtwangers „Die Geschwister Oppermann“ (1983) setzte er zweiteilig um. Und er brachte Ralph Giordanos „Bertinis“ (1982) in fünf Teilen auf den Bildschirm: ein Mammutwerk.

Monks Filme mögen zusammengenommen eine deutsche Chronik des 20. Jahrhunderts ergeben. In seinen großen Mehrteilern brach er überdies mit Sehgewohnheiten und dem gesättigten Bildschirm-Blick des Zuschauers: Monks Filme forderten, strapazierten – provozierten. „Das Mitdenken soll nicht ins Leere stoßen“, sagte er einmal, und manch einer kritisierte ihn als „unzeitgemäß“ und unbequem. Zumal Monk das Wagnis einging, eher unemotional zu erzählen, in einem Medium, das heute mehr denn je auf die subjektive Emotionalisierung des zappenden Zuschauers setzt. Doch das interessierte den Regisseur von „Ein Tag“ (1965) nicht, ihm ging es um die Politisierung des Fernsehspiels, um das „Fernsehen als Volksbühne“, um kritischen Realismus. Mit diesem Ansinnen und der strukturellen Anlage seiner Mehrteiler dürfte er Vorbild heute wichtiger (Fernseh-)Regisseure wie Hans-Christoph Blumenberg oder Heinrich Breloer sein, verstand er es doch ein Arbeitsleben lang, Qualität und Quote auf höchstem Niveau zu verbinden. Das müssen seine Adepten nun fortführen.

Am Mittwoch ist Egon Monk nach langer, schwerer Krankheit in Hamburg gestorben. Im Mai wäre er 80 Jahre alt geworden. „Unterhaltung und Unterrichtung“: Seine fernsehhistorisch bedeutenden Filme sind der Spiegel seiner engagierten Gratwanderung.

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