Fernsehen : Grimme-Preis: Privat-Sender gehen fast leer aus

Bei der Vergabe des Adolf-Grimme-Preises mussten sich die Privatsender den öffentlich-rechtlichen Sendern in diesem Jahr besonders deutlich geschlagen geben. Die Jury kritisierte insbesondere bei der TV-Unterhaltung "einen Mangel an Innovation und kreativem Witz".

Marl Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender haben bei der Vergabe der Adolf-Grimme-Preise 2009 gründlich abgeräumt: Als einziger Privatsender holte RTL eine Auszeichnung. In der Kategorie Fiktion wurde unter anderem der ARD-Film "Teufelsbraten" mit Ulrich Noethen und Anna Fischer in den Hauptrollen geehrt, gab das Grimme- Institut (Marl) am Mittwoch in Düsseldorf bekannt. Die jährlich vergebenen Preise gehören zu den wichtigsten Medienauszeichnungen Deutschlands. Für die insgesamt zwölf Wettbewerbspreise hatte es insgesamt 65 Nominierungen gegeben.

Den Grimme-Publikumspreis erhielt der Norddeutsche Rundfunk für seinen "Tatort" mit dem Titel "Auf der Sonnenseite", bei dem Mehmet Kurtulus sein Debüt als Kommissar Cenk Batu gab. Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschulverbandes als Träger der begehrten Auszeichnung für Qualitäts-TV geht an Marietta Slomka und Claus Kleber für ihre Professionalität und "persönliche Handschrift" bei der Moderation des ZDF-"heute-journal".

"Privat-Sender abgesackt"

RTL holte den einzigen Grimme-Preis für einen Privatsender mit seiner Comedyserie "Doctor's Diary" in der Sparte Unterhaltung, in der auch die Rubrik "Johannes Schlüter" im NDR-Satiremagazin "Extra 3" ausgezeichnet wurde. "Die Privaten sind in Vielfalt und Qualität in einigen TV-Bereichen abgesackt", sagte der Direktor des Grimme- Institutes, Uwe Kammann.

Erneut sei bei der TV-Unterhaltung "ein Mangel an Innovation und kreativem Witz" zu kritisieren, betonte der Grimme-Direktor bei der Preisträger-Präsentation. Ebenso regelmäßig sei der oft sehr späte Sendetermin wichtiger Produktionen zu beklagen.

In der Wettbewerbs-Sparte Fiktion erhielt die preisgekrönte Produktion "Ihr könnt euch niemals sicher sein" (WDR) über einen rebellischen, als Amokläufer verdächtigten Schüler ungeahnte Aktualität. Die Schauspielerinnen Katja Riemann und Hannah Herzsprung waren in dem bissigen Familienporträt "Das wahre Leben" der Serie "Debüt im Ersten" ebenso preiswürdig wie das Schauspieler-Duo Matthias Brandt/Maria Popistasu in "Die zweite Frau" (Arte/WDR). Eine Sprayer-Gang spielt in der preisgekrönten ZDF-Produktion "Wholetrain" die Hauptrolle.

"Guter Jahrgang" für Information und Kultur

Bei der Konkurrenz im Bereich Information und Kultur sei die Jury "auf einen ganz guten Jahrgang" gestoßen, betonte Preisrichter Fritz Wolf. Einzelne Produktionen wie "Losers and Winners" (WDR/Arte) über die Demontage und den Verkauf einer Dortmunder Kokerei nach China seien finanziell nur schwer zu realisieren gewesen. "Leben und Sterben für Kabul" (NDR/WDR) dokumentiert den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan, "Sonbol - Ralley durch den Gottesstaat" (SWR) zeigt das ungewöhnliche Leben einer iranischen Hobby-Rennfahrerin. "Der große Ausverkauf" (WDR/Arte/BR) von Florian Opitz dokumentiert die Folgen der Privatisierung, und ein "Grimme-Preis-Spezial" geht an Inge Classen und Katya Mader für ihre "Mädchengeschichten" (ZDF/3Sat).

Den Sonderpreis Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen erhält der Filmemacher Harald Bergmann für die WDR-Produktion "Brinkmanns Zorn" über den Kölner Poeten Rolf Dieter Brinkmann. Das erstmals von der VG Bild-Kunst mit 15.000 Euro ausgestattete Eberhard-Fechner- Förderstipendium geht an die junge Regisseurin Suzan Sekerci, die "Djangos Erben" für den SWR und Arte dokumentiert hat.

Der 45. Adolf-Grimme-Preis wird am 3. April im Theater der Ruhrgebietsstadt Marl überreicht. (küs/dpa)

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