Kultur : Fernsehglück

Matthias Meisner

„Rupien! Rupien!“, schreit es vom Titel. Als ob es einem Verlierertypen wie Ram Mohammed Thomas ums Geld gehen würde. Der arme Kellner, der gerade mal ein paar hundert Rupien im Monat fürs Überleben zusammenbringt, ist Teilnehmer der Fernseh-Quizshow „Wer wird Milliardär?“. Da ist ziemlich klar, dass der Moderator, ein abgehalfterter Schauspieler, ihm in einer Sendepause sagt: „Machen Sie sich darauf gefasst, dass Sie verlieren.“

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Doch Ram weiß die Antworten auf alle zwölf und auf die regelwidrige dreizehnte Frage – und das nicht, weil er die Schulbank gedrückt oder gar studiert hat, sondern weil das brutale indische Leben ihm mehr beigebracht hat als jedem anderen Kandidaten. Soll das Leben mit einer Milliarde Rupien in der Tasche also auch für einen armen Schlucker noch lustig werden? Oder landet Ram gleich nach der Show im Gefängnis? Viele erstaunliche Dinge geschehen in diesem Buch, das an sich schon erstaunlich ist: Der Autor Vikas Swarup ist kein Schriftsteller, sondern indischer Diplomat. „Rupien! Rupien!“ ist sein erster Roman, und der verzichtet auf jede diplomatische Sprache. Offen bringt Vikas Swarup seinen Helden, der als Baby aus einer Mülltonne gerettet wurde, an Orte, die nichts sind für zart besaitete Menschen: in schummrige Bordelle, zu Bettlern, schwulen Priestern und folternden Polizisten. Doch die Lust am Lesen vergeht nicht, weil Ram mit all seiner Fantasie noch jedes Mal dem Unglück trotzt. Am Ende nimmt er es sogar mit den Gangstern der Fernsehproduktionsgesellschaft auf.

Vikas Swarup: Rupien! Rupien! Roman. Aus dem Engl. von Bernhard Robben. Kiepenheuer & Witsch, Köln. 342 Seiten, 19,90 €.

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