Kultur : Fernweh beim Flamenco

HEIMATKLÄNGE

Jens Thomas

Es sind manchmal eben doch die Gegensätze, die sich im Wege stehen und sich nicht anziehen. Am ersten Tag des Festivals Heimatklänge am Kulturforum Potsdamer Platz, das noch bis Sonntag läuft, eröffnen Tekameli aus Perpignan das Feuer und zaubern euphorische Klänge aus ihren Instrumenten. Sie müssen sich allerdings auf einer Bühne behaupten, die den Blick nicht auf die Pyrenäen, sondern auf den Potsdamer Platz freigibt. Tekameli vereinen den populären Mittelmeerrhythmus Rumba Catalana mit Flamenco sowie kubanischen Elementen und umgarnen alles mit den heimischen Gesängen. Leicht lässt man sich durch ihre Musik in ferne Gefilde transportieren, Fernweh wird geweckt. Doch immer wieder zerrt die betonierte Einkesselung des Auftrittortes an der Illusion und holt zurück in die Berliner Wirklichkeit: rechts das Kupferstichkabinett, schräg links der sich drehende Mercedes-Stern vom Mercedes Benz-Gebäude. So kann ihre Musik nicht die gewollte Wirkung erzeugen.

Tekameli aber lassen sich nicht beirren. Im Gegenteil: Voller Elan mit verschmitztem Lächeln im Gesicht präsentiert man energisch katalonische Klänge. Harmonisch in einer Reihe positioniert und kollektiv mit schwarzen Hemden eingekleidet, animiert die Truppe die vorderste Publikumsfront zum Mitklatschen. Die Zuschauer, in einer Alterspanne von 15 bis 60, lockern hier die Hüften zum Tanz, schwenken dort vor Begeisterung mit den Armen. Die meisten jedoch liegen in den akkurat aufgeklappten Liegestühlen, von denen aus man gern mit den Händen im Sand gewühlt hätte. Doch am glatt geschmirgelten Betonstrand gab es dazu leider keine Gelegenheit.

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