• "Ferropolis": Eisen, Feuer, Funkenflug - Gert Hof und Mikis Theodorakis weihen die Stahlstadt ein

Kultur : "Ferropolis": Eisen, Feuer, Funkenflug - Gert Hof und Mikis Theodorakis weihen die Stahlstadt ein

Kai Müller

Von Weitem sehen die vier gigantischen Tagebaugroßmaschinen wie eine grotesk zerklüftete Festung aus. Ein Ensemble aus Stahlträgern, Plattformen, Kränen und Förderbändern erhebt sich über eine trostlose, ausgemergelte Seenlandschaft - das alte Braunkohlefördergebiet Golpa Nord bei Dessau - und nennt sich "Ferropolis, Stadt aus Eisen". Hinter dem archaisch wirkenden Namen verbirgt sich ein ehrgeiziges Projekt. Denn statt die ausgedienten Stahl-Kolosse zu verschrotten, hat man sie in eine Veranstaltungsarena integriert, mit deren Hilfe die vom Bergbau gezeichnete Region wieder mit Leben erweckt werden soll.

Zum Auftakt hatte man den Lichtdesigner Gert Hof gewonnen, dessen spektakuläre Inszenierungen immer wieder für Aufregung sorgen. Zuletzt hatte sein Idee, die Milleniumsfeier an der Berliner Siegessäule mit einer Lichtkathedrale zu krönen, heftige Diskussionen ausgelöst. Denn die in den Nachthimmel gerichteten Scheinwerfer-Batterien erinnerten stark an den von Albert Speer konzipierten Lichtdom, mit dem dieser unter anderem den Nürnberger Reichsparteitag illuminiert hatte. Auch aus Konzertarena, die vom Londoner Bühnenbildner Jonathan Parker entworfenen wurde, wuchsen mit zunehmender Dunkelheit schmale Leuchtsäulen empor und vereinigten sich viele hundert Meter über den Köpfen der Zuschauer zu einer Art Licht-Tipi.

Doch das war bei weitem nicht so pompös, wie die bis zur Schmerzgrenze aufgedrehte Musik des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis, die ein furioses Feuerwerk untermalte. Da knallten und krachten die Salven, züngelten bengalische Feuer und Stagniolpapier-Wolken wirbelten durch die Luft. Hof inszenierte die als "Aufbruch" betitelte Einweihung der Anlage als Heilungsakt "einer kranken Landschaft". Und es wurde ihm vergönnt. Später dankte ihm der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt dafür, dass er der geschändeten Gegend "wieder ein Leben geschenkt habe".

Obwohl der 72-jährige Mikis Theodorakis im vergangenen Jahr seinen Abschied von der Öffentlichkeit verkündet hatte, war er für dieses Konzert noch einmal zurückgekehrt. Mit schleppenden Schritten betrat er die Bühne, um ein frühes Werk sowie Lieder aus dem 1995 fertiggestellten "Poetica"-Zyklus zu dirigieren. Er habe einen weißen Anzug getragen, erklärte er, statt wie üblich einen schwarzen, "um ein Zeichen für den Neuanfang zu setzen". In der Tat braucht diese Landschaft einen guten Arzt.

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