Kultur : Fesselndes Klebeband

SANDRA LUZINA

Felix Ruckert eröffnet "Körperstimmen" im PodewilVON SANDRA LUZINAGefühlsecht sollte es zugehen in der Produktion "Hautnah", mit der der Choreograph Felix Ruckert Aufmerksamkeit erregte.Geladen wurde zum Tête ß Tête unter vier Augen, ein Darsteller spielte für einen Zuschauer.Eine ähnliche Intimität will Felix Ruckert nun auch auf der Bühne herstellen.Mit der Produktion "Krapplack" wurde das Festival "Körperstimmen" eröffnet. Die zehn Darsteller wollen berühren und bewegen, anregen und erregen.Das Live-Event Theater spielt seinen Trumpf aus: die Präsenz des Körpers.Felix Ruckert glaubt an eine Wahrheit des Körpers - auch und gerade da, wo er ihn als inszenierten ausstellt.Die Darsteller agieren als Verführer, dieser Aufgabe kommen sie kokett-kichernd oder einschmeichelnd, routiniert oder ruppig nach.Der Zuschauer wird auf vielfältige Weise stimuliert, seine eigenen Phantasien zu entwicklen.Die Stück setzt an bei der Erkenntnis, daß die Lust zuallererst im Kopf entsteht.Bisweilen wird nur heftig geatmet, gejapst, gequitscht.Schön sind die Momente, wo der Körper- und Stimmausdruck nicht eindeutig-zweideutig ist, wo die Körper-Zeichen aus ihrer strikten Codierung gelöst werden.Doch Felix Ruckert möchte das Publikum auf einen Selbsterfahrungs-Trip schicken, mehr noch, wie eine Domina mit Herz will er, daß der Zuschauer nun endlich seine dunklen Seiten entdecke. Das bekannte Spiel aus Enthüllen und Verhüllen nimmt seinen Lauf.Der Lust an der Zurschaustellung wird als zusätzlicher Kitzel noch die Lust an der Preisgabe hinzugefügt.Der Zuschauer wird zum Voyeur gemacht.Aus der Parade der bekleideten oder nackten Akteure fällt ein Mann mit dicklichen Körper heraus.Umgeben von körperlicher Wohlgeformtheit wirkt sein Anblick geradezu grotesk - und auch auf eine sehr greifbare Weise real.Eine Schöne versetzt ihm Schläge auf die nackte Brust.An Tributen an einen längst modischen Sado-Masochismus fehlt es nicht, wenn Felix Ruckert das Begehren inszeniert.Die Darsteller suchen Lust und verlangen deswegen nach Schmerz.Sie quälen sich selbst und sie tun dem anderen ein bißchen weh.Das bekannte Repertoire an Bühnen-Foltermethoden wird da abgespult: Da wird mit Klebeband gefesselt.Ein böser Bube erzählt ausführlich seine Gewaltphantasien.Brennende Zigaretten berühren die nackte Haut.Überhaupt, geraucht wird sehr viel in diesem Stück, das so bemüht-bedeutsam, pseudo-expressiv und forciert-heftig daherkommt.Mit Kennermine wird dem Zuschauer signalisiert: wir wissen um deine geheimen Wünsche.In dem Grenzbezirk, der da durchschritten werden soll, da lockt nicht nur die nackte Wahrheit, da lauern auch zuhauf die Klischees. Noch heute um 20.30 Uhr im Podewil

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