Fest von Philharmonikern und Museen : Wir Kinder vom Kulturforum

Im Juni feiern die Museen mit den Philharmonikern

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Ernst Ludwig Kirchners „Potsdamer Platz“ von 1914.
Ernst Ludwig Kirchners „Potsdamer Platz“ von 1914.Foto: Staatliche Museen

Keine vier Jahre hat es gedauert, um die Idee zu verwirklichen. Als Martin Hoffmann, der frisch berufene Intendant der Berliner Philharmoniker, im Dezember 2010 dem auch noch ziemlich neuen Chef der Nationalgalerie vorschlug, gemeinsam ein Fest auf dem Kulturforum zu veranstalten, zeigte sich Michael Eissenhauer sofort begeistert. Schnell waren auch die anderen Anrainer der Brachfläche mit dabei. Da allerdings vom Land Berlin nicht mehr zu bekommen war als aufmunternde Worte, ging der mühsame Prozess der Finanzierung los: Vieles von dem, was nun am 14. und 15. Juni rund um die St. Matthäus Kirche stattfinden wird, muss aus Eigenmitteln der Institutionen bestritten werden, den Rest der Kosten bezahlt als Großsponsor die Deutsche Bank.

Mehrere Jahre Vorbereitungszeit für eine Wochenendsause – das klingt wenig dynamisch. Gemessen an der Geschwindigkeit allerdings, mit der sich die Dinge normalerweise am Kulturforum bewegen, darf die Nachbarschaftsinitiative als Schnellschuss bezeichnet werden. Nachdem Kulturstaatsministerin Monika Grütters dafür plädiert hat, den Erweiterungsbau der Nationalgalerie doch an der Potsdamer Straße zu realisieren statt hinter dem Mies van der Rohe-Bau, ist mal wieder völlig unklar, was das Kulturforum für ein Gesicht bekommen soll. Also versuchen die hier beheimateten Kulturanbieter wenigstens, dem Unort eine Seele zu geben, wie es Preußenstiftungs-Präsident Hermann Parzinger formulierte.

Kirchners Gemälde "Potsdamer Platz" als Leitbild: So soll es wieder werden

Als Logo und Leitbild des Spektakels dient Ernst Ludwig Kirchners vor 100 Jahren entstandenes Bild „Potsdamer Platz“: Das in der Dauerausstellung der Neuen Nationalgalerie derzeit nicht zu sehende Gemälde wird für die beiden Tage aus dem Depot geholt und prominent platziert. Auch als Hoffnungszeichen dafür, dass sich die Besucherströme aus dem Herzen der Hauptstadt bald besser zum Kulturforum umleiten lassen mögen.

Die musikalischen Hauptattraktionen steuern die Berliner Philharmoniker bei: Beim Komponisten David Lang haben sie ein Werk für 1000 Stimmen in Auftrag gegeben, das von Laien aufgeführt wird, bei einer Aufführung der „Carmina Burana“ unter Simon Rattle am Sonntag werden die „Vokalhelden“ mitwirken, jugendliche Teilnehmer des neuen Education-Projekts des Orchesters. Tags zuvor tritt als Gast der Jazzer Klaus Doldinger mit seiner Band Passport auf. Bis zu 10 000 Menschen werden stehend vor der 20 mal 20 Meter großen Freiluftbühne Platz finden. Für 24 Euro gibt’s das Tagesticket inklusive Konzert, 16 Euro kostet der Eintritt, wenn man nur tagsüber die Angebote in den Museen und der Philharmonie nutzen will.

Es wird Workshops und Gespräche geben, dazu Führungen, auch hinter die Kulissen. Berlins Musikschulen sind mit dabei, die Breakdancer Flying Steps sowie der Organist Cameron Carpenter. Junge Designer präsentieren ihre Couture, Clärchens Ballhaus bietet nächtliche Tangokurse an. Das Kulturforum, so lässt sich dieses Programm lesen, ist wie das Phantom der Oper: Sein Gesicht versteckt man lieber hinter einer Maske – die Seele aber, die ist groß.

Infos: www.fest-am-kulturforum.de

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