Kultur : Festival, die achte

Alle Völker sind von ihrer Wertigkeit her gleich: Das wird immer wieder behauptet, aber es stimmt nicht. Bei der Berlinale, diesem Schmelztiegel der Nationen mit seinen stets vollbesetzten Sälen, lernt man es, auf die Unterschiede zu achten. Haben Sie schon einmal im Kino hinter einem Schweden gesessen? Auch wenn ihr es nicht hören mögt, ihr Schweden - ihr seid ein Volk, das man im Kino nicht gerne vor sich sitzen hat. Völker mit dicken Köpfen und langen Beinen sollten vom Kino die Finger lassen. Die sollen in der Freizeit Basketball spielen.

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Früher, als das Kino noch hoch im Kurs stand, soll es bei der Berlinale jede Menge rastaköpfige Jamaikaner gegeben haben. Internationalen Festivalhilfsorganisationen ist es gelungen, das Interesse der Jamaikaner vom Film auf die Reggaemusik umzulenken. Auch die turbantragenden Sikhs haben schon auf so manchem Filmfestival für böses Blut gesorgt. Diesmal laufen im "Forum" keine indischen Filme - Christoph Terhechte wird von Indern oft gefragt, warum dies so sei. Warum den Indern nicht reinen Wein einschenken?

Nicht genug lobpreisen kann man dagegen das zierlich gebaute Volk der Japaner. Es gibt bei der Berlinale Menschen, die sich beim Saaleinlass immer einen Japaner oder eine Japanerin ausgucken, um sich dann genau hinter ihn oder sie zu setzen. Bessere Plätze gibt es praktisch nicht. Daran musste ich bei Lasse Hallströms "Schiffsmeldungen" denken. Schräg vor mir saß eine hünenhafte, alles verdunkelnde Frauengestalt, ungefähr wie der Indianer in "Einer flog über das Kuckucksnest". Bei näherem Hinsehen stellte sie sich als Japanerin, vielleicht auch Chinesin heraus. Es war ohne Zweifel die größte Japanerin der Welt. Der Film war übrigens sehr sympathisch, sehr nett, sauber und freundlich, wenn auch ein wenig langweilig. Wenn so ein Film ein Mensch wäre, würde man ihn jederzeit als Babysitter oder als Untermieter nehmen, aber man würde nicht gerne bei einem Abendessen neben ihm sitzen, weil einem dann schnell der Gesprächsstoff ausginge. Kurz vor dem Ende des Abspanns stand die größte Japanerin der Welt auf, deshalb weiß ab Reihe 4 kein einziger Filmkritiker, wer bei "Schiffsmeldungen" das Licht für die Second Unit gemacht hat.

Inzwischen macht das Gerücht die Runde, die größte Japanerin der Welt sei in Wahrheit ein verkleideter deutscher V-Mann. Otto Schily will nämlich Japan verbieten lassen, unseren Konkurrenten auf dem Weltmarkt, um durch diesen Coup die Scharte mit dem NPD-Verbot auszuwetzen. Mit solchen V-Männern? Die Regierung begeht einen Fehler nach dem anderen.

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