Kultur : Festival, die dritte

-

Christiane Peitz über tote Tiere

und die Deutsche Filmakademie

Hallo, sieht mich jemand? Es ist nicht leicht, im Zirkus der Sensationen und Visionen Aufmerksamkeit zu erregen. Auf schreiende Plakatwerbung, wie sie in Cannes und Venedig die Strandpromenaden säumt, muss die Berlinale ja verzichten – mangels Strandpromenade. Die Filme selbst haben ohnehin ihre eigenen Tricks. Michael Winterbottom zum Beispiel: Fünf Minuten nach dem Filmbeginn von „In this World“ präsentiert er dem Publikum eine echte Rinderschlachtung. Kopf ab, Innereien raus, morgens im BerlinalePalast um fünf nach neun. Das macht wach.

Die Light-Variante der Schocktherapie wählt Gabriele Salvatores italienischer Wettbewerbsbeitrag. Wohl wegen des Titels: „Io non ho paura – Ich habe keine Angst“. Statt eines toten Rinds ist’s nur ein totes Huhn, das da recht appetitlich am Holzpfahl im gelben Kornfeld hängt. Die Absicht – hallo, hallo? – bleibt dennoch erkennbar.

Kulturstaatsministerin Christina Weiss versucht es mit Variante Nummer drei: der Kaninchen-Nummer. Bei der Eröffnungsgala zauberte sie die baldige Gründung der Deutschen Filmakademie aus dem Hut. Ein Überraschungscoup inklusive Verwirrungstaktik: Soll nun eine „Jury aus ehemaligen Preisträgern“ (Weiss) künftig die Deutschen Filmpreise vergeben oder die Akademie, der sämtliche namhaften Filmschaffenden angehören, so wie beim Oscar? Mit der Jury, heißt es nun aus dem Hause Weiss, sei durchaus die Akademie gemeint, die zwecks Imageaufwertung für den deuschen Film per Mehrheitsvotum über die Preise bestimmt.

Auch die Dotierung soll bleiben. Die Branche prämiert dann also die eigenen Mitglieder mit Subventionen: derzeit etwa drei Millionen Euro aus Steuergeldern. Das ist etwa so, wie wenn der Bund dem Bauernverband die Agrarsubventionen zur Verteilung überlässt. Womit wir wieder bei den Tieren... Nein, da kommt zusammen, was nicht zusammen gehört: Wenn der Staat den Film fördert, sollte er sich die Mittel dafür nicht aus der Hand nehmen lassen. Und wenn die Branche wie in den USA oder bei den französischen Cesars aus den eigenen Reihen Preise vergibt, sollte sie selbstbewusst auf staatlicher Unabhängigkeit beharren. Sonst wird aus dem Zauber- ein fauler Trick.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben