Kultur : Festival, die erste

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Christiane Peitz holt tief Luft

vor dem Kinomarathon

Tausche Leben gegen Kino: Wir BerlinaleProfis sind Spezialisten für Zeitökonomie. Die schönste Vorfreude zählt nichts ohne Organisation. Also: Der zweite Wecker gestellt, den O-Saft für zehn Tage im Kühlschrank verstaut, die Frühstückskekse abgezählt auf den Küchentisch. Dann ist morgens um neun, wenn der erste Wettbewerbsfilm läuft, die Welt in Ordnung. Zuvor will auf dem Weg zum Potsdamer Platz nur das Schminken im Auto bewerkstelligt sein: Drei rote Ampeln reichen.

Hurtig, hurtig: Kurze Sätze müssen genügen. Ist ja diesmal alles auf Kante genäht. Statt zwölf nur noch zehn echte Festivaltage. Statt Mercedes-Limousinen VW-Phaetons für die Stars (klasse Paradox: In der Stadt schlucken die Benziner bis zu 20 Liter). Und die Festival-Plakate zieren signalrote Einzelbuchstaben. Der Trend: Knappheit.

Also noch blitzschnell die Vorrecherchen erledigt. Zuerst das Programmstudium: „Mutter“ im Forum, „Mutti – The Movie“ im Panorama, „Mein Bruder“ und „Ja Schwester, nein Schwester“ im Wettbewerb – noch ein Trend? Weil in Zeiten der Krise nur auf die liebe Verwandtschaft Verlass ist? Dann die Zeitungslektüre: Die „Süddeutsche“ beginnt das Festival mit „Hängen und Würgen“, die „Welt“ räsonniert über den „Mechanismus der Promi-Maschine“, in der „Berliner Zeitung“ zieht die Berlinale in den Krieg, und der „Rundschau“ gesteht Zeremonienmeister Dieter K. seine Vergangenheit als Ministrant. Soviel zu den Festivalbegegnungen zwischen Neuer Welt und Altem Europa.

Apropos: George Clooney bringt angeblich Max mit, sein Hausschwein. Seit zwölf Jahren leben die beiden zusammen, trotzdem soll es nicht einfach gewesen sein, ein Flugticket für Max zu organisieren. Zum Frühstück isst Max übrigens keine Kekse, sondern Trüffel und Mousse au Chocolat. Na bitte, es gibt ihn doch noch: echten Luxus.

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