Kultur : Festival, die vierte

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Christiane Peitz hat ein paar

Tipps für Friedensaktivisten

Klicken Sie mal auf die Website www.freedom2speak.com : Irgendwie erinnert sie an die 80erJahre-Politfreaks, die man sie im Perspektive-Film „Sie haben Knut“ auf Skiurlaub besichtigen kann (um hinterher froh zu sein, dass die 80er Jahre endlich vorbei sind). Die „Aktion Berliner Filmschaffender“ möchte nämlich der „Diskussion über den drohenden Irakkonflikt ein öffentliches Forum während der Berlinale geben“, mit Speakers Corner im Cinemaxx und einem eigenen Spot. Gesucht werden noch Freiwillige, die mit DV-Kamera „Menschen drehen, die ihre Meinung äußern wollen“. Außerdem steht auf der Website, dass man „nach einer langen Partynacht um 4 Uhr morgens von Dieter (gemeint: Kosslick) persönlich das Go bekomme habe, den Spot vor jedem auf der Berlinale gezeigten Film laufen zu lassen.“ Ein gewisser Donald schlägt zusätzlich „eine einfache Schilderdemo am Potsi“ vor.

Liebes Freedom-Komitee: Auf die Gefahr hin, ein wenig altmütterlich zu wirken (ich habe gerade zwei Filme hintereinander mit Meryl Streep gesehen), haben wir Ex-80erJahre-Politaktivisten ein paar Tipps für Euch zusammen gestellt: 1. Nach einer langen Partynacht sagt Dieter K. zu allem „Go“; spätenstes ab 2.30 Uhr gilt das gesprochene Wort nicht mehr. 2. Sagt auf keinen Fall Potsi. Das nährt den Verdacht, dass Ihr nicht echt seid, sondern nur Teil einer besonders raffinierten Internet-Werbung für „Sie haben Knut“. 3. Die Berlinale braucht kein Forum für die Kriegsdebatte. Sie ist nämlich eines. Lauter superpolitische, rebellische Filme laufen in diesem Jahr. Und weil ein Motto – towards tolerance – bekanntlich nicht reicht, tun die Stars ihr übriges. Schließt Euch denen doch einfach an: Alleine am gestrigen Sonntag warb Christopher Lee für die Unicef-Friedensgala „Cinema für Peace“ mit George Clooney und Roger Moore und warnte vor einem Irak-Krieg. Und Dustin Hoffman (siehe Interview) nutzte seine Pressekonferenz für den schönen Satz: „Verletzlichkeit ist eine Stärke. Viele Führer in dieser Welt verstehen das nicht.“ Und dann flirtete er mit Françoise von der Harald-Schmidt- Show. Bezaubernd.

Apropos Harald: Nach langwierigen gruppendynamischen Prozessen sind die Tagesspiegel-Berlinale-Aktivisten überein gekommen, dass in dieser Kolumne entschieden zu viel weibliche Blicke auf Männer geworfen werden. Da wir eine liberale Zeitung sind, außerdem Festival-Halbzeit und Kollege Martenstein endlich aus dem Ski-Urlaub (!) zurück ist, gilt ab morgen: Sie haben Harald.

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