Festival "Krzyzowa Music" in Polen : Wer fühlen will, muss hören

Kreisau in Niederschlesien war ein Ort des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Jetzt wird hier mit dem Klassikfestival "Krzyzowa Music" der Geist Europas und die Kraft der Kultur beschworen.

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Die Geigerin Viviane Hagner.
Musik kann eine Brücke sein. Die Geigerin Viviane Hagner.Foto: Timm Kölln

Seit 1989 gibt es auf Gut Kreisau im polnischen Dorf Krzyzowa eine internationale Jugendbegegnungsstätte – um die Erinnerung wach zu halten an den Widerstand gegen die Nationalsozialisten, der hier von Freya und Helmuth James Graf von Moltke in den Jahren 1942/43 organisiert wurde. Im ehemaligen Schloss wird eine Ausstellung zum Kreisauer Kreis und zu anderen Widerstandsbewegungen des 20. Jahrhunderts gezeigt, in der Begegnungsstätte treffen sich jedes Jahr mehrere tausend junge Menschen aus verschiedensten Ländern und mit unterschiedlichster sozialer Prägung. Es geht den Initiatoren um einen Brückenschlag zwischen West- und Osteuropa, um gelebte Völkerverständigung.

2004 gehörte Matthias von Hülsen zu den Mitbegründern der „Freya von Moltke-Stiftung für das Neue Kreisau“, jetzt will er die Aktivitäten in Krzyzowa um ein neues Kammermusikfestival erweitern. Eigentlich ausgebildeter Kinderarzt, zählt von Hülsen seit Jahrzehnten zu den umtriebigsten Kulturmanagern der Bundesrepublik. Schon beim Schleswig- Holstein-Festival gehörte er zur ersten Generation der Macher, vor 25 Jahren erfand er dann als nordostdeutsches Pendant die „Festspiele Mecklenburg-Vorpommern“, deren Geschicke er bis 2002 und dann noch einmal von 2009 bis 2013 leitete.

Europa wird nicht mehr richtig verstanden

Für „Krzyzowa Music“ hat er sich mit der Geigerin Viviane Hagner zusammengetan. Von der Schönheit und Abgeschiedenheit des Ortes sei sie sofort angetan gewesen, schwärmt die Musikerin: „Das Anwesen mit seinen Sälen in verschiedenen Größen lädt geradezu ein zum Proben, eignet sich aber auch für Konzerte.“ Als Vorbild haben sich die beiden Gründer das Marlboro-Festival im US-amerikanischen Bundesstaat Vermont gewählt, gegründet in den vierziger Jahren von zwei deutschen Exilanten, dem Geiger Adolf Busch und dem Pianisten Rudolf Serkin. Dort treffen sich allsommerlich Nachwuchstalente und erfahrene Profis, um zusammen Kammermusik zu erarbeiten. Genau so soll es jetzt auch in Niederschlesien funktionieren – und Matthias von Hülsen liefert den gesellschaftlichen Überbau dazu: „Europa wird heute nicht mehr richtig verstanden“, postuliert er. „Was uns eint, muss besser gepflegt werden, nämlich die Kraft der Kultur. Ganz besonders die von Sprache unabhängige Musik ist geeignet, uns miteinander zu verbinden.“

Hochkarätigen seniors sind zu Gast

Vierzig Musikerinnen und Musiker aus 20 Nationen werden sich vom 14. bis 31. August auf dem Gut ins Partiturstudium vertiefen und Konzerte in der Region geben. Für den Herbst ist eine Tournee geplant, bei der die Kzyzowa-Teilnehmer ihre künstlerischen Ergebnisse in Berlin und Hamburg, in Mecklenburg-Vorpommern und im Rheingau vorstellen werden.

Hochkarätige seniors konnten Viviane Hagner und Matthias von Hülsen für den Start-Jahrgang als Mentoren der juniors gewinnen. Der Klarinettist Matthias Schorn und der Bratscher Nils Mönkemeier sind dabei, die beiden Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, Daishin Kashimoto und Daniel Stabrawa, dazu drei Cellovirtuosen – Eckardt Runge, Claudio Bohorquez und Heinrich Schiff – sowie, als Ehrengast, der Pianist Alfred Brendel.

Über allem soll der gute Geist Europas schweben – und ein Motto von Freya von Moltke: „Jede gelingende Begegnung muss ganz wesentlich ein Aufeinander- Hören sein.“

Weitere Infos zum Festival unter www.krzyzowa-music.eu

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