Festival : Wenn die digitale Bohème arbeitet

Berlin ist die Hochburg der digitalen Bohème, jener jungen Leute, deren wichtigstes Arbeitsgerät der Laptop ist. Jetzt veranstalten sie im Radialsystem ihr eigenes Festival.

Anja Opel
Digitale Bohème Foto: Promo
Festival "From 9 to 5": "intelligentes Leben jenseits der Festanstellung". -Foto: Promo

Als die beiden Berliner Autoren Sascha Lobo und Holm Friebe im letzten Jahr das Buch "Wir nennen es Arbeit" veröffentlichten, trafen sie nicht nur den Nerv der Generation Praktikum. Ihr Entwurf einer "digitalen Bohème", die mit Laptop unter dem Arm ein "intelligentes Leben jenseits der Festanstellung" sucht, bekam viel Aufmerksamkeit.

Soviel Erfolg verlangte nach einer Fortsetzung: In Berlin präsentiert man jetzt das Festival zum Buch. Anschaulich soll von heute an im Radialsystem an der Spree vorgeführt werden, wie das geht: "Arbeiten, wie man leben will." Bis Samstag findet an drei Tagen unter diesem Motto ein Camp-Festival statt.

"From 9 to 5 - Wir nennen es Arbeit", wie es offiziell heißt, bringt eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Menschen zusammen - Musiker, Designer, Künstler, Literaten, Blogger und andere Menschen mit oder ohne Laptop. Unter den Themenblöcken "Weltverbesserung", "Getting Things Done" und "Burning Money" werden sie Workshops, Diskussionsrunden, Lesungen und Konzerte veranstalten. Klar, dass bei der digitalen Bohème ein freies drahtloses Netz nebst Schreibtischplatz selbstverständlich ist und auch eine sichere "Technik-Garderobe" nicht fehlen darf.

"Von der Kommune 1 zu Communities im Internet"

Was wird einen dort erwarten? Ein kurzer Blick auf die Highlights schafft Orientierung: Am ersten Tag diskutieren unter anderem die ehemalige Berliner Kultursenatorin Adrienne Göhler mit dem Schriftsteller Bernd Cailloux über alternative Kultur und kreatives Kapital. Jens Friebe, der amerikanische Elektroniker Frivolous und andere Künstler füllen weitere Räume mit Musik und die Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig moderiert eine Diskussionsrunde, die sich der Entwicklung "Von der Kommune 1 zu Communities im Internet" widmet.

Am Freitag wird dann pünktlich zum Wochenende hin der Schwerpunkt auf Musik gelegt. Neben den fröhlichen Vorträgen namens "Bunny Lectures" werden alte oder neue Berliner Musiker wie Thees Ullmann von Tomte, Gudrun Gut, Jeans Team oder Christiane Rösinger von Britta sowohl live als auch in Worten das Verhältnis von Musik und Ökonomie ausloten.

Kreativität, Arbeit und Neue Medien stehen dann am dritten Tag unter dem Motto "Weltverbesserung" zur Diskussion. Ab 16 Uhr wird am Samstagnachmittag der Wert der kreativen Industrie für verschiedene Städte ausgelotet und Berlin, London und Tokio miteinander verglichen. Neue Medien, neue Formen der Arbeit und neue ökonomische Modelle werden außerdem von Bloggern, Journalisten und anderen Weltverbessern diskutiert, bevor der Abend dann wiederum bei Film und Musik ausklingt.

Ob man am Ende mehr gelebt oder gearbeitet hat, muss jeder für sich selber entscheiden.

Internet: 9to5.wirnennenesarbeit.de

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