Festival Young Euro Classic : Die Welt zu Gast in Berlin

In diesem Jahr wird "Young Euro Classic" zweigeteilt: Ende Juni sind die Jugendorchester im der Philharmonie zu erleben, im August dann im Admiralspalast. Und auch das Programm ist 2014 außergewöhnlich.

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Hier geht’s lang. Riesenballons weisen den Weg zur Philharmonie.
Hier geht’s lang. Riesenballons weisen den Weg zur Philharmonie.Foto: Kai Bienert/Young Euro Classic

Für die 15. Ausgabe von „Young Euro Classic“ gilt: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Weil im Konzerthaus am Gendarmenmarkt während der Sommermonate die Bühne erneuert wird, kann das Jugendorchestertreffen zum ersten Mal nicht am gewohnten Ort stattfinden. Für die ersten fünf Auftritte der jungen Musiker steht die Philharmonie zur Verfügung, und zwar schon ab diesem Sonntag. Danach tritt eine sehr lange Generalpause ein, bevor der Admiralspalast „Young Euro Classic“ dann vom 8.–17. August Obdach für eine zweite Festivalhälfte bietet.

Kein Wunder, dass Gabriele Minz, der Erfinderin und Veranstalterin des weitgehend privat finanzierten Sommerevents, ein wenig bange ist, ob es gelingen wird, jeden Abend vor ausverkauftem Saal zu spielen, so wie in den vergangenen Jahren. Immerhin gibt es seit gestern an der Philharmonie ganz besondere YEC-Wegweiser : Das Street-Art-Kollektiv Mentalgassi hat Künstlergesichter auf riesige Ballons gebannt, die bis zum 24. Juni effektvoll über dem Kulturforum schweben werden.

Gerne hätte der künstlerische Leiter Dieter Rexroth ein „Friedensorchester“ ins Leben gerufen, mit Musikern aus allen Ländern, die am Ersten Weltkrieg beteiligt waren. Doch das ließ sich finanziell leider nicht bewerkstelligen. Immerhin bezieht sich das Orchestre Français des Jeunes auf 1914: Am 22. Juni steht Maurice Ravels Klavierkonzert für die linke Hand auf dem Programm, komponiert für den an der Front verwunderten Pianisten Paul Wittgenstein. Und wenn am 23. Juni das „All-Russian Youth Orchestra“ die 5. Sinfonie des schwulen Komponisten Peter Tschaikowsky spielt, lässt sich auch das angesichts der Putinschen Anti-Homosexuellen-Gesetzgebung durchaus als politisches Statement verstehen.

Ensembles aus Rumänien, China und Südafrika sind die weiteren Gäste der ersten Festivalhälfte, im August kommen die Spanier, das Bundesjugend- sowie das Schleswig-Holstein Festival Orchester. Vor allem aber wird es im Admiralspalast um Crossover-Projekte mit Jazz, Tanz, Weltmusik und Oper gehen. Aus der Not haben die YEC-Macher ein Programm entwickelt, das so abwechslungsreich ist wie noch nie. Insofern muss das Motto für 2014 wohl eher heißen: Geteilte Freude ist doppelte Freude.

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