Festival Young Euro Classic : Doch ein Punk

Das Bundesjugendorchester beginnt bei Young Euro Classic erwachsen, getragen, pflichtbewusst - und zeigt schließlich doch, was in ihm steckt.

Moritz Eckert
Nicht nur Streber: Musiker des Bundesjugendorchesters.
Nicht nur Streber: Musiker des Bundesjugendorchesters.Foto: Kai Bienert

Bei Young Euro Classic herrscht immer ein wenig die Atmosphäre einer Klassenfahrt. Das mag zum einen am Alter der Musiker liegen, zum anderen aber auch daran, dass die einzelnen Orchester tatsächlich so unterschiedlich sind wie die Schüler in einer Schulklasse. Da wären zum Beispiel das MIAGI Youth Orchestra aus Südafrika – der Partykönig unter den Ensembles. Dann das Nationale Jugendorchester Rumänien – ganz klar der Sportfreak in der Klasse, immer wendig und in Bewegung. Nun also das Bundesjugendorchester. Auf den ersten Blick der absolute Streber. Aber nur auf den ersten.

Gleich zu Beginn kommt die Frage auf: Ist das da auf der Bühne wirklich ein Jugendorchester? Musikalisch sehr beherrscht und kontrolliert treten die jungen Instrumentalisten auf. Sie übertreiben nichts, gehen auf erwachsen-getragene Art an die Werke heran, weniger jugendlich und frisch. Die „Sommernachtstraum“-Ouvertüre von Felix Mendelssohn Bartholdy wird pflichtbewusst gespielt, allerdings auch arg zaghaft und wie darauf bedacht, bloß nicht zu druckvoll zu sein. So plätschert es dann auch eher als zu fließen. Auch bei den sieben Liedern für Mezzosopran von Alma Mahler-Werfel geht das Orchester unter Markus Stenz behutsam zu Werke. Stella Doufexis’ Mezzosporan kommt locker gegen die Instrumentalisten an, ist dabei aber angenehm leicht und schmelzig.

Nach der Pause das Erwachen. Anton Bruckners Vierte steht auf dem Programm, die „Romantische“. Und das Orchester ist wie ausgewechselt, schmeißt sich hinein in den spritzigen ersten Satz, legt den zweiten angenehm zwischen dunkler Schwere und lieblicher Süße an, ist im Scherzo sehr kraftvoll und leidenschaftlich und marschiert mit Hingabe durchs Finale. Jede Zurückhaltung ist weg, nach einigen kraftvollen Stellen klirrt der Kronleuchter im großen Saal des Admiralspalasts hörbar.

Markus Stenz hält seine Musiker aber glücklicherweise in der Regel davon ab, die Dynamik zu stark aufzudrehen. Und nun kommt auch dieses gewisse Jugendorchester-Feeling auf: Frisch, verwegen und ein wenig frech klingt das, und es ist ganz offensichtlich: auch die Musiker selbst haben in der zweiten Hälfte Spaß an diesem Tanz. Ein Streber mag das Bundesjugendorchester zwar auf den ersten Blick sein – aber im tiefsten Innern ist es doch ein Punk.

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