• Festivalchef Wolfgang Wagner soll künftig von dem Multimilliardär und Opernfreak Alberto Vilar finanziell unter die Arme gegriffen werden

Kultur : Festivalchef Wolfgang Wagner soll künftig von dem Multimilliardär und Opernfreak Alberto Vilar finanziell unter die Arme gegriffen werden

Frederik Hanssen

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Kaum, dass die drohende Kürzung der Bundeszuschüsse für die Bayreuther Festspiele durch eine All-Parteien-Koalition melomaner Abgeordneter abgewendet werden konnte, verkündet ein amerikanischer Multimilliardär und Opernfreak, er verspüre durchaus Lust, dem notorisch über Geldknappheit nörgelnden Festivalchef Wolfgang Wagner künftig finanziell unter die Arme zu greifen. Wie die Wiedergeburt des Bayernkönigs taucht der Sohn eines kubanischen Zuckerbarons, der an der Börse einen wahren Nibelungenhort zusammengerafft hat, über dem Grünen Hügel auf: Gleich Ludwig II. kennt Alberto Vilar nur eine Lebensfreude: die Oper. Und die lässt er sich was kosten. Allein 25 Millionen Dollar zahlte er 1998 an die New Yorker Met, mit rund 14 Millionen Dollar bezuschusste er die Renovierung des Londoner Opernhauses, in Baden-Baden rettete er per Scheckbuch das Gastspiel des Petersburger Marinskij-Theaters, den Salzburger Festspielen hat er sechs Millionen Dollar zugesagt. Grund genug für den Wagner-Enkel Wolfgang, in Hojotoho-Rufe auszubrechen. Doch weit gefehlt: Als befürchte er, der böse Alberich habe sich per Tarnkappe in einen US-Mäzen verwandelt, ging der 80-jährige Festspielchef erst einmal auf Distanz: Hinter lieblichem Lächeln lauert leicht listiger Lumpen Lug.

Da er sowieso gerade auf Einladung des örtlichen Wagner-Verbandes in New York weilte, nutzte der Bayreuther Patriarch am Sonntag immerhin die Gelegenheit, den ominösen Dollarprinzen persönlich in Augenschein zu nehmen. Da hat er Vilar dann erklärt, wie das deutsche Subventionssystem überhaupt funktioniert und warum er es sich gut überlegen müsse, ob er sich tatsächlich von irgendeinem Amerikaner Millionen zustecken lassen will. Wie leicht könnten sich die staatlichen Geldgeber oder gar der hochgeschätzte Freundeskreis der Festspiele brüskiert fühlen, wenn plötzlich eine Privatperson einzelne Inszenierungen unterstützte. Von der Gefahr einer Beeinträchtigung der künstlerischen Entscheidungsfreiheit des Festspielleiters ganz zu schweigen. Darum werde Wolfgang Wagner bei der nächsten Zusammenkunft des Bayreuther Kuratoriums Mitte Dezember von seiner New Yorker Begegnung berichten, erklärt uns sein Pressesprecher - dann werde man sehen, wie die Herren über das Angebot dieses Mister Vilar dächten. Am besten wäre es allerdings, fügt er hinzu, der US-Mäzen träte in den Freundeskreis ein, um dort sein Geld in den allgemeinen Klingelbeutel zu werfen - denn, darauf legt Wolfgang Wagner Wert, der Freundeskreis muss weiter der Bayreuther Sponsor Nr. 1 bleiben.

Merkwürdig: eigentlich liegt eine derartige Aversion Wohltätern gegenüber bei den Wagners gar nicht in den Genen. Wolfgangs Großvater fand nichts dabei, dass sich sein königlicher Sponsor von Zeit zu Zeit Privataufführungen im leeren Theater genehmigte - eine Idee, auf die Vilar noch nie verfallen ist. Nicht einmal eine begabte Gattin steht ihm zur Seite, die gerne mal in Bayreuth die Brünnhilde singen möchte. Im Gegenteil: In Salzburg hat Vilar ausdrücklich erklärt, dass er sein Geld sofort zurückziehen werde, falls der Staat auf den Trick verfalle, mit Verweis auf seine Spenden Subventionskürzungen zu beschließen. Doch um die Frage, ob Vilar ein seriöser Partner sei, scheint es dem Wagner-Enkel nicht zu gehen: Wer wie er aus längst überholtem Familienunternehmer-Stolz den Wotan spielt, sieht wohl selbst Großspenden als Einmischung in die inneren Angelegenheiten an. Da bleibt Vilar nur die bayerische Methode: So wie Ludwigs Schatzmeister aus Ärger über die "Verschwendung" von Staatsknete an die Kunst Wagner sein Gehalt sackweise in Pfennigen anliefern ließ, könnte er seine Millionen in Quarters aus dem Flugzeug über Bayreuth abwerfen - und damit den Grünen Hügel versilbern.

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