Kultur : FESTIVALLEKTÜRE

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Das Literaturfestival basiert nicht nur auf Büchern, es bringt auch welche hervor. Auf die Einladung der Autoren nach Berlin folgt die Aufforderung: Bringen Sie uns drei Gedichte mit! Keine leichte Sache. Nur drei? Dieter M. Gräf und der Nigerianer Helon Habila nennen auch ein eigenes Werk. Der Ungar Attila Bartis ehrt dreimal seinen Altersgenossen István Kemény. Gerhard Rühm erinnert an Franz Richard Behrens, die Peruanerin Patricia de Souza richtet sich am Dreigestirn Rainer Maria Rilke, Walt Whitman und Guillaume Apollinaire aus.

Manche Einsendung trieb die Herausgeber der Berliner Anthologie , Beatrice Faßbender und Ulrich Schreiber, wochenlang um: Welches Gedicht könnte bloß mit der einen unvollständig aufs Papier gekritzelten Verszeile gemeint sein? Und ist das von Hiroshi Sakagami eingesandte Gedicht des Zen-Meisters Ryokan aus dem 18. Jahrhundert schon ins Deutsche übertragen? Der Litauer Vytautas Blože jedenfalls wurde wie die Hälfte der anderen Gedichte erstmals übersetzt. Der lyrische Hausgarten mit dem Titel „Das Andenken, die Bilder der Erde“ (Verlag Vorwerk 8, 272 S., 15 €) wird am 10.9. um 18 Uhr im Buchhändlerkeller vorgestellt.

Auch der von Hanno Depner und Ulrich Schreiber herausgegebene Festivalkatalog (Vorwerk 8, 240 S., 10 €), dem wir die nebenstehenden Texte (Übersetzung: Hartmut Fähndrich und László Kornitzer) entnehmen, ist jenseits der biografischen Informationen eine anregende Lektüre – und ein optischer Genuss. Nicht nur, dass viele Texte handschriftlich dokumentiert sind, viele Autoren haben auch Fotos ihrer liebsten Schreiborte beigesteuert.

Das dritte, von vier großen Literaturfestivals Europas gemeinsam herausgegebene Buch zum Thema „Casablanca“ schließlich, bietet dem Nachwuchs eine Bühne. Scritture Giovani präsentiert fünf in den siebziger Jahren geborene Autoren – aus Deutschland Kirsten Fuchs. Wer Glück hat, kann ein Exemplar beim Festival kostenlos ergattern. pla/dotz

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