Kultur : Fettes Fleisch

Lächeln einer Winternacht: Bent Hamers „Kitchen Stories“

Daniela Sannwald

„Kitchen Stories“ ist ein archetypischer Northern, und wer von dem Genre bisher nichts wusste, der sollte sich jetzt damit befassen. Der Northern nämlich hat einiges zu bieten: verschneite Landschaften in der grauen Winterdämmerung Norwegens; einsame, Pfeife rauchende Männer in Wollsocken; leckeres Essen, dessen Hauptbestandteile Fisch, Fleisch und Fett sind; Norwegerwitze, Schwedenwitze, schließlich jede Menge Trinkgelage und sogar ein wenig Musik, die obskuren Instrumenten entlockt wird. Was der Northern nicht bietet, soll auch nicht verschwiegen werden: Sex, Crime, Action.

Aber das braucht auch niemand, der diesem sehr gelungenen, kleinen Film folgen mag auf den Spuren des schwedischen Sozialwissenschaftlers Folke, den es in den Fünfzigerjahren nach Norwegen verschlägt in den Junggesellenhaushalt des Bauern Isak, um dessen Küchennutzung zu studieren und zu protokollieren. Folke soll nur auf seinem Hochstuhl sitzen und gucken, jede Interaktion zwischen ihm und dem Probanden ist verboten, könnte sie doch zur Fraternisierung und gemeinsamen Fälschung der Daten führen. Dass aber selbst ein hartgesottener Feldforscher gelegentlich den Trost einer menschlichen Stimme und einer Tasse warmen Kaffees braucht, will der Studienleiter nicht einsehen.

Man muss ein bisschen Geduld haben mit diesem von Aki und Mika Kaurismäki dominierten Genre, weil die Zeit langsamer vergeht im hohen Norden, wenn die Tage kaum als solche zu erkennen und die Nächte eisig und lang sind. Dann erst wird man die Bedeutungsschwere von Dialogen, die durch Drei-Wort-Sätze und Drei-Minuten-Pausen geprägt sind, ermessen können. Und die Wärme eines Lächelns.

FT am Friedrichshain, Hackesche Höfe, Neue Kant Kinos, Neues Off; untertitelte Originalfassung im fsk am Oranienplatz

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