Kultur : Feuer in der Festung

KATJA WINCKLER

Im pastellfarbenen Prinzessinnensaal im Opernpalais unter Kronleuchtern und zwischen duftigen Blumengebinden sollte es alles andere als altmodisch zugehen.Schließlich hatte die CDU unter der Moderation von Angela Merkel eingeladen, mit namhaften Persönlichkeiten aus Politik und Kultur das Thema "Europa im 21.Jahrhundert - was die Nachbarn von Deutschland erwarten" zu diskutieren.Der Direktor des Warschauer Zentrums für internationale Beziehungen, Janusz Reiter, machte den Anfang, indem er Deutschlands Führungsqualitäten rühmte, "weil Deutschland andere Völker besonders gut versteht".

Doch spätesten hier ergaben sich erste Differenzen, warf doch der ehemalige Verteidigungsminister Francois Léotard ein, daß in seinen Augen Frankreich der wichtigste Staat sei, auch wenn er viel von der europäischen Europa halte."Und Deutschland muß wieder zu seiner Identität finden".Im Handgepäck hatte er denn auch gleich drei anzustrebende Ziele fürs nächste Jahrtausend dabei: So forderte er ein Weißbuch über eine europäische Verteidigung, eine europäische Verfassung und natürlich eine verstärkte kulturelle Zusammenarbeit.Die ehemalige ARD-Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz goß Öl ins Feuer, als sie den Diskussionskollegen ihre Thesen nur so um die Ohren haute."Hier herrscht eine Menge Krampf.Wir Deutschen sollten nicht immer nur an die anderen Völker denken, sondern endlich mal ein stabiles Selbstbewußtsein entwickeln." Den "Sonderweg" ging der niederländische Schriftsteller Cees Noteboom.Er fragte entwaffnend schlicht: "Kennen wir Deutschland? Weiß es, was es werden will, wenn es mal groß ist?"

Für die Vereinigten Staaten sprach der in Berlin lebende Publizist Don F.Jordan.Er bescheinigte den Amerikanern zwar Nachbarschaft zu den Europäern, stellte aber im selben Atemzug fest, daß im Hinblick auf den Handel Europa leider zur "Festung Europa" verkommen sei.Wenn sich nichts ändere - da wandte er sich an den Franzosen Léotard - "wird mit uns nicht gut Kirschenessen sein", mahnte er.Die abschließende Bemerkung vom im Publikum sitzenden Korrespondenten des "Figaro", Jean-Paul Picaper, nahm allen Kritteleien den Wind aus den Segeln: "Gönnt Euch doch mal einen republikanischen Patriotismus, wie wir Franzosen ihn haben".

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