Kultur : Feuer und Schweiß

ROCK’N’ROLL

Philipp Lichterbeck

Rock ’n’ Roll ist an erster Stelle eine Einstellung. Dazu gehört: Sich zerstören und laut dabei schreien. Wie man dann aussieht, ist egal. Deswegen sind die Hellacopters aus Schweden mehr Rock’n’Roll als beispielsweise die Strokes aus Amerika, die seit einiger Zeit als Retter des Rock gefeiert werden. Während die New Yorker versuchen, die beliebtesten Posen der Rock’n’ Roll-Geschichte zu zitieren – vor allem die mit der Zigarette im Mundwinkel und der Flasche am Hals –, möchten die Schweden im SO 36 möglichst viel kaputtmachen. Und selber möglichst kaputt sein. Zu diesem Zweck ernähren sich die fünf Hellacopters falsch beziehungsweise gar nicht.

Dünn wie Heringe sind sie. Die langen fettigen Haare waschen sie nie. Auch mit ihren Instrumenten gehen sie schlecht um. Die werden über die Bühne geschrammt oder an Verstärkern entlang gekratzt, hängen zudem vor großen silbernen Gürtelschnallen, die ihnen von hinten ihre Kanten in den Korpus Rammen. Alles egal, denken sich die Schweden, jetzt hauen wir euch eins auf die Ohren. Doch Lautstärke ist eine Sache, dynamisches Rauschen mit Schlagzeug eine andere. Zumindest in den ersten dreißig Reihen hört man nämlich nichts anderes. Und so machen die Höllenhubschrauber und der Tonmann trotz aller Kraft und Kraftmeierei letztendlich auch ihr Konzert kaputt. Dafür durfte man an diesem Abend aber die Datsuns aus Neuseeland entdecken, die als Vorband spielten. So muss es wohl mal gewesen sein, als AC/DC jung und schön waren. Der Sound ein Brett, die Soli wie Flammen, die Männer ernst und blass. Da brennt die Luft, es regnet Schweiß, die Menschen schreien vor Freude. Rock’n’Roll hat eben auch mit Sound zu tun.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben