Kultur : Feuer zu Asche

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Ingo Mocek über den

Untergang Michael Jacksons

Wo früher Feuer war, ist heute nur noch Asche. Die Geschichte Michael Jacksons, des wegen Kindesmissbrauchs angezeigten Königs des Pop, gehört zum Bizarrsten, das die Unterhaltungskultur je bot. Jackson ist vermutlich bekannter als der Präsident der USA oder die Ente Donald Duck. Millionen haben ihn aufwachsen sehen, ein kleiner Junge auf der Bühne, der von seinem grimmigen Vater schon mal eine Bowlingkugel an den Kopf bekam. Mit „Off the Wall“ gelang ihm der Befreiungsschlag, mit „Bad“ die Hinwendung zur plastischen Chirurgie.

Die Narben ihrer avantgardistischen Experimentierlust trägt Jackson heute im Gesicht, den entgleisenden Mund, das Nasenkrönchen, das nicht mehr halten will. Als tausend Patienten mit geglückteren Operationen begannen, ihn zu verspotteten, da merkte auch Jackson, dass der Wind für ihn rauer wird. Er kauft eine Ranch und nennt sie „Neverland“, ein Anwesen, auf dem jeden Tag eine Sternkreiszeichenparty gegeben wird. Er ist jetzt Peter Pan und wäre gern Kind, ein Kind unter Kindern. Ständig lädt er sie ein.

Daneben macht er auch Musik. Das ist eine weitere Facette der Tragik des reichen armen Jacko, die weithin unbeachtet blieb: sein ständiges Zuspätkommen. Zehn Jahre lang nimmt er sein Album „Invincible“auf. Es ist der extremste Ausdruck von Angst und Hysterie. Leider kam die Platte erst auf den Markt, als ihr Stil, die Modulationen des urbanen schwarzen Pop, Mainstream geworden war. „Invincible“ erwies sich als Totalausfall. Und Michael Jackson erstarrte zur Eisprinzessin. Innen, im Nimmerland, sah es ähnlich finster aus. 1994 hatten Berater den Mann, der den „Moonwalk“ erfand, zu einem außergerichtlichen Vergleich gedrängt, als ihn ein eifersüchtiger Vater mit Hilfe eines dubiosen Anwaltes unzüchtiger Handlungen an seinem Sohn bezichtigte.

Jackson war anscheinend stark abhängig von Tabletten, ein Verfahren hätte er nie durchgehalten. Seitdem gilt „Wacko Jacko“ als krank. Die Presse spielte mit der in den USA tobenden Pädophiliehysterie ein gefährliches Spiel. Wer verrückt ist, wer an Einhörner glaubt und aussieht wie Porzellan, der treibt es bestimmt auch mit kleinen Jungs.

Stimmt es tatsächlich, dass Jackson Minderjährige zu verstörenden Handlungen zwang, dann gehört er zu Recht in den Knast. Bei aller Hysterie gilt aber auch, dass die Exaltiertheit eines Menschen nicht mit der Frage seiner Schuld verwechselt werden darf. Der erste Pädophilieskandal jedenfalls hat nur bewiesen, dass die bloße Vorverurteilung eines Menschen dessen Karriere stoppen und ihn ins gesellschaftliche Aus drängen kann. Der König des Pop hat sein Reich verloren.

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