Kultur : Feuerbilder

Saisonauftakt im Berliner Auktionshaus Lehr.

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Idyll. Karl Hofers Bild „Agno“ ist auf 50 000 Euro geschätzt. Foto: Lehr / VG Bild-Kunst, 2013
Idyll. Karl Hofers Bild „Agno“ ist auf 50 000 Euro geschätzt. Foto: Lehr / VG Bild-Kunst, 2013

Herbstliche Blätter in den schönsten Braun- und Gelbtönen verzieren die knorpeligen Baumstämme. Romantisch idealisierend scheint Otto Dix’ „Böhmische Landschaft“ von 1939. Das akribische Altmeistertimbre und die fein lasierten Ölschichten konterkariert der mit Ausstellungsverbot geächtete Künstler mit einer Nebelfront, die auf das winzige Dorf im Tal zusteuert. Dix’ Radikalität der zwanziger Jahre hat das Hauptlos der Herbstauktion bei Irene Lehr zwar nicht. Doch steht es beispielhaft für die subtile Doppeldeutigkeit, mit der der Künstler die innere Emigration überstand. Rückblickend empfand Dix selbst diese Phase als „zu spitzpinselig“. Aber er war eben „verbannt worden in die Landschaft“. Aufgerufen wird das malerisch höchst delikate Ölbild mit einer Schätzung von 140 000 Euro. In der klassischen Moderne außerdem bemerkenswert sind Karl Hofers in dunkles Leuchten getauchte Tessiner Landschaft „Agno“ (50 000 Euro) und Christian Rohlfs 1925 entstandene Zwiebelpflanzen (18 000 Euro).

Insgesamt wird die 667 Nummern umfassende Herbstofferte jedoch von zeitgenössischer Kunst dominiert. Herausragend Gerhard Richters „Goslar (still) – und Goslar (hektisch)“ von 1988. Dem Jahr, in dem auch sein berühmter RAF-Zyklus „18. Oktober 1977“ entstand und Richter der Goslarer Kaiserring verliehen wurde. Das Diptychon aus neun collagierten Schwarzweiß-Fotografien und einer kleinen, grauen Öltafel widmete der Künstler dem Sammler und Mäzen Peter Schenning, auf dessen Initiative der undotierte, aber international renommierte Preis samt Mönchehaus-Museum ins Leben gerufen wurden.

Silvia Schenning lässt nun einen kleinen Teil der Sammlung versteigern. Neben Richters unikater Collage (Taxe: 25 000 Euro), sind Arbeiten von Kaiserring-Trägern wie Rebecca Horn oder Nam June Paik darunter. Für Horns unbetiteltes Schlagobjekt, ein Modell zur 1987 für die Skulptur Projekte Münster entstandenen Installation „Das gegenläufige Konzert“, werden 6000 Euro erwartet, für Paiks analoges Roboter-Multiple 5000 Euro. Aus derselben Quelle stammen außerdem ein Feuerbild von Otto Piene (12 000 Euro) und Bernhard Heisigs düster-ironisches Porträt Peter Schennings im Dienste der Kunst: „Der Bettelmönch vor dem Mönchehaus“ (20 000 Euro).

Eine Sonderauktion samt Katalog ist am 29.11. der West-Berliner Bohème der Sechziger gewidmet. Der Sammler Henry Hirts hat die 179 Werke meist direkt in den Ateliers von Arthur Märchen, Willi sowie Kurt Mühlenhaupt, Heinz Trökes oder Robert Wolfgang Schnell erworben. Die Taxen liegen bei wenigen Hundert Euro oder im unteren vierstelligen Bereich. Auf großes Interesse stößt vor allem Friedrich Schröder-Sonnenstern. Ist doch der naiv-surreale Egozentriker dank der aktuellen Venedig-Biennale zu spätem Ruhm gelangt. Angesetzt sind die großen Farbstiftzeichnungen bei 2000-3000 Euro. Schätzpreise, die nicht zuletzt ob der Provenienz die Stimmung anheizen dürften. Michaela Nolte

Auktion im Berlin Excelsior Hotel, Hardenbergstr. 14, Sa, 26. 10., 13 Uhr.

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