Kultur : Feuerengel

Die Country-Musikerin June Carter Cash ist tot

Christian Schröder

Es gibt Situationen, in denen nichts mehr geht. Nur noch die Liebe. Mitte der Sechzigerjahre schien Johnny Cash seine Zukunft schon hinter sich zu haben. Er war aus der „Grand Ole Opry“, dem berühmtesten aller Country-Tempel in Nashville, geflogen, weil er während eines Auftritts die komplette Bodenbeleuchtung mit seinem Mikrofonständer zertrümmert hatte. Cash stieg wutentbrannt und angetrunken in einen Cadillac und raste mit Hochgeschwindigkeit in einen Strommast. Dass er sich dabei nur die Nase brach und nicht das Genick, war ein Wunder. Das Auto gehörte seiner künftigen Ehefrau June Carter. Sie sagte nur: „Ich schätze, ich bekomme jetzt einen neuen Cadillac.“ Johnny und June, die 1968 heirateten, gehören zu den großen Liebespaaren des 20. Jahrhunderts. Vom Beginn ihrer Leidenschaft erzählt der Song „Ring Of Fire“: „Love is a burning thing / And it makes a fiery ring / Bound by wild desire / I fell into the ring of fire“.

„Ring Of Fire“ ist einer der größten Hits von Johnny Cash. Geschrieben hat das Stück aber June Carter Cash, die am Donnerstag in Nashville an den Folgen einer Herzklappenoperation gestorben ist. Sie wurde 73 Jahre alt. June entstammte der Carter Family, die seit den Zwanzigerjahren mit ihrem fiedelnden Southern Folk zur „first family“ der Countrymusic aufgestiegen war. Mit Cash war sie mehr als vierzig Jahre lang aufgetreten. Sie sang mit ihm „Jackson“ im Duett, spielte Gitarre, Mandoline, Banjo und Zither, schrieb Songs wie „Gone“ und „A Tall Lover Man“. Für ihr Soloalbum „Press On“ wurde sie im Jahr 2000 mit einem Grammy ausgezeichnet. „June ist eine der verkanntesten Künstlerinnen der Countrymusik. Es macht mich traurig, dass ihr Beitrag wahrscheinlich nur deshalb nicht genügend gewürdigt wurde, weil sie meine Frau ist“, sagte Johnny Cash über seine Frau.

Auf seiner Homepage maninblack.net steht als Abschiedsgruß: „Wir haben einen Engel verloren“.

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