Kultur : Feuervogel

Zum Tod des Choreografen Uwe Scholz

Sandra Luzina

Die Nachricht traf wie ein Schock. Uwe Scholz ist am vergangenen Sonntag in einem Krankhaus bei Berlin an einer Lungenentzündung gestorben. Der international geschätzte Choreograf wurde nur 45 Jahre alt. Damit endet abrupt und brutal eine Karriere, die so glanzvoll begonnen hatte. Und die zuletzt im Ungewissen schwebte, wie es für Scholz und seine Leipziger Truppe weitergehen sollte.

Dass Uwe Scholz nach neuen künstlerischen Wegen suchte, war klar. Nach Ablauf seines Vertrages 2006 wollte er sich endgültig von der Leipziger Oper trennen, zu deren Ballettdirektor und Chefchoreograf er 1991 berufen worden war, damals noch von dem Intendanten Udo Zimmermann. Angetreten war Scholz mit dem Ziel, Leipzig zu einem führenden Ballettzentrum zu machen. Querelen um die Sparauflagen,die auch das Ballett trafen, hatte es immer wieder gegeben. Zuletzt sorgte im Sommer dieses Jahres ein Konflikt mit Intendant Henri Maier für große Aufregung. Streitpunkt war wohl nicht nur die geplante Verkleinerung des Ballettensembles: Denn Scholz galt seit langem schon als krank, in der letzten Zeit hatte dies auch seine künstlerische Tätigkeit beeinträchtigt. Nach Verhandlungen, in die das Kulturdezernat der Stadt Leipzig eingeschaltet wurde, einigte man sich darauf, dass Scholz in dieser Spielzeit für ein Sabbatjahr beurlaubt wird, in der nächsten Spielzeit sollte er noch einen großen Ballettabend choreografieren.

„Die Entscheidung fiel einvernehmlich. Es ist kein böses Wort gefallen“, erklärt Leipzigs Kulturdezernent Georg Girardet. Auch eine Reduzierung des Ballettensembles von 44 auf 40 aktive Tänzer sei von Scholz akzeptiert worden. Und Intendant Maier betont: „Uwe war ein schwieriger Mensch, wie alle großen Künstler. Aber er wusste, dass er auf mich zählen kann. Wir hatten kleinere Gewitter wegen der Einsparungen. Aber wir sind nicht im Krach auseinander gegangen.“

Seit Sommer dieses Jahres wurde es still um Uwe Scholz – der Künstler hatte sich völlig zurückgezogen. Nur der engste Zirkel hatte Kontakt zu ihm und war über seinen Aufenthaltsort informiert. Für die Tanzwelt ein unschätzbarer Verlust: Vom neoklassischen Erbe ausgehend, hat Scholz eine unverwechselbare choreografische Handschrift entwickelt. Neben seinem Formbewusstsein wurde immer wieder seine geniale Musikalität gerühmt. Bekannt geworden ist er mit sinfonischen Balletten, als die schon aus der Mode waren. Eine besondere Affinität hatte Scholz zur Musik Mozarts. 1999 wurde ihm der Deutsche Tanzpreis verliehen.

Die Choreographien von Uwe Scholz gehören nicht nur zum Repertoire großer europäischer Compagnien, sie begeistern auch das Publikum von New York bis Tokio. Sein umjubeltes Berlin-Debüt gab er 2000 mit dem Abend „Ein Lindentraum“ zu Kompositionen von Mozart und Schumann, damals noch mit dem Ballettensemble der Staatsoper Unter den Linden. Das neu gegründete Staatsballett Berlin, mit dessen Leiter Vladimir Malakhov Scholz befreundet war, hat den „Lindentraum“ und auch Scholz’ „Feuervogel“ ins Repertoire übernommen

Noch ist die Betroffenheit zu groß, als dass in Leipzig schon über einen Nachfolger spekuliert würde. Man habe sich aber bereits darauf geeinigt, sagte Intendant Maier, dem künftigen Ballettdirektor aufzuerlegen, das Werk von Uwe Scholz zu pflegen. Damit wird er nun endgültig zum Klassiker. Eigentlich war er das schon zu Lebzeiten.

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