Kultur : Feuerwerk

Ein Fest für Bernd Wilms am Deutschen Theater

Rüdiger Schaper

Es gab da eine Wette, deren nähere Umstände zu erklären jetzt zu weit führt. Jedenfalls ging’s um spanischen Wein, roten, und Bernd Wilms hat die Wette gegen seine Schauspieler Samuel Finzi und Wolfram Koch gewonnen. Die hatten etwas von weißem Tarragona erzählt, was natürlich Unfug ist. Denn der Intendant kennt sich mit solchen Sachen aus, er hat immer recht. Es gibt da nämlich ein uraltes Lied, und die zwei Komiker haben es ihm zum Abschied in der DT-Bar geschmettert („Zwei rote Lippen und ein roter Tarragona“). Und bei der Gelegenheit auch endlich ihre Wettschulden beglichen. Zwei Flaschen Wein. Roten! Tarragona!

Sieben Jahre Bernd Wilms am Deutschen Theater Berlin. Sieben fette, nette, adrette Jahre. Ein schönes Fest haben sie für ihn aufgeführt, am Sonnabend, und der Theatermann, der künftig den Hauptstadtkulturfonds kuratiert, nachdem er das DT kuriert hat, war zu Tränen gerührt. Als er ernannt wurde, es war noch im 20. Jahrhundert, da standen die Wetten eher gegen ihn. Die Auguren haben geirrt. Längst ist das Deutsche Theater das erste Haus der Hauptstadt, wenn nicht des Landes. So arg unterschätzt zu werden, ist auch ein Geschenk.

Was wird jetzt aus der Riesenskulptur vor dem Theater mit jenem Goethe-Wort „Verweile doch ...“? Wilms hört auf, da es am schönsten ist; den Augenblick hat manch anderer in dieser Stadt bei weitem schon verpasst. Viel Theatervolk war versammelt vor dem Haus, als Bernd Wilms sein Farewell-Feuerwerk bekam. Raketen stiegen auf vom Dach des Theaters, ein Schluss mit donnernden Kaskaden und brennendem Himmel. Ein spezielles Berliner Theaterzusammentreffen, wie man es nicht alle zwölf Monate, sondern vielleicht nur alle sieben Jahre erlebt.

Es ging auch verdammt schnell. Es war dann doch zu kurz und dicht, wie manche Thalheimer-Inszenierung. Die sieben Jahre Wilms, die nun zu Ende gehen, sind vor allem dies gewesen – eine gute, sehr gute Zeit für Schauspieler. Fürs Publikum. Die Nachfolger haben ein solides Problem. Sie erben eine gewaltige Herausforderung. Rüdiger Schaper

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