Kultur : Figaros Väter

Die Potsdamer Musikfestspiele graben eine Oper aus

Carsten Niemann

„Wege zu Mozart“, so lautet diesmal das Motto der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci. Bei der Wiederentdeckung der Oper „La Nozze di Dorina“ im Schlosstheater wird allerdings schnell klar, dass der Weg bereits das Ziel ist. Erstaunlich viel „Figaro“ steckt in der 1755 entstandenen Komödie Carlo Goldonis und seines kongenialen Komponisten Baldassare Galuppis: Mitten im Scheidungskrieg eines Grafenpaars gelingt es dem Gutsverwalter, sein Schäfchen in Gestalt des vielfach begehrten Kammermädchens Dorina ins Trockene zu bringen.

Die Lunte der Gesellschaftskritik mag dabei zwar nicht ganz so offensichtlich zündeln wie bei Da Ponte und Mozart. Doch allein durch die wahre und feinsinnige Charakterzeichnung aller sieben Rollen verdient das Stück zeitlose Aufmerksamkeit. Das ganze Potenzial von Galuppis Musik und der durchweg als Sängerdarsteller überzeugenden Solisten schöpft Hinrich Horstkottes Inszenierung allerdings noch längst nicht aus. Wo Galuppi formal frei und bei äußerer Dur-Seligkeit staunenswert nunancenreich auf Wortwitz und Situationskomik eingeht, hemmt Horstkotte Feuer und Natürlichkeit der Aktion: Viel zu oft drückt er seinen Sängern dabei belanglos symbolistisches Requisitenspielzeug in die Hand; treffend an der Natur beobachtete Momente wie die boshafte Zärtlichkeit, mit der die versöhnte Gräfin ihrem Mann die Glatze massiert, sind eher die Ausnahmen. Im Orchestergraben brennt dafür die Luft: Sergio Azzolini leitet die Kammerakademie Potsdam mit ihren historischen Instrumenten vom Fagott aus; mit seiner mitreißend possierlichen Quirligkeit beweist er, dass die Gestalten Galuppis und Goldonis quicklebendig unter uns weilen.

Noch einmal am 11. Juni

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben