Film "Der Koch" mit Jessica Schwarz : In Teufels Küche

Der Bestseller "Der Koch" von Martin Suter erzählte von allem auf einmal: Krimi, Kochen, Sex. Nun rührt Ralf Huettner das Ganze geschmackvoll fürs Kino zusammen - mit Jessica Schwarz in der Hauptrolle.

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Nasch mich. Maravan (Hamza Jeetooa) verlockt Andrea (Jessica Schwarz) zu einer Süßspeise der besonderen Art.
Nasch mich. Maravan (Hamza Jeetooa) verlockt Andrea (Jessica Schwarz) zu einer Süßspeise der besonderen Art.Foto: Senator Film

Mit Kochen kann, wer es kann, wahre Wunder bewirken. Behauptet das Klischee, das dem Publikum zahllose Kochfilme beschert – das fluffige Schaumgebäck von „Madame Mallory“ versüßte soeben noch den Kinosommer. Filmköche sind die neuen Filmärzte, geeignet für allerhand absehbare dramaturgische Verwicklungen bis hin zum meist obligatorischen Happy End im eigenen Restaurant.

Der Schweizer Martin Suter hat in seinem Bestseller „Der Koch“ als einer der ersten Autoren das Potenzial des Genres entdeckt und dessen Grenzen zu sprengen versucht: Sein tamilischer Exilant Maravan will eigentlich auch nur kochen, gerät aber nach und nach in eine Reihe ausfasernder Verwicklungen, in denen es um Liebe, Waffenhandel und Rotationsverdampfer geht. Krimi, Kochen, Erotik, alles kommt vor, aber nichts richtig. Ralf Huettners Film setzt die Romanvorlage kongenial in Bilder um: Das Resultat ist genauso moralinsauer und vorhersehbar wie das Buch.

Maravan (Hamza Jeetooa), der tamilische Geniekoch, schuftet als Küchenhilfe im Sternerestaurant, ist aber seinem selbstgefälligen Küchenchef technisch wie kreativ weit voraus, woher, bleibt unklar. Vor allem: Er hat von seiner Großtante ein Rezeptbuch mit aphrodisisch wirkenden Rezepten geerbt, deren Wirkung weit über die Banalitäten von Austern und Trüffeln hinausgeht. Eher versehentlich als gezielt erprobt er diese Wirkung an der Kellnerin Andrea (Jessica Schwarz), die unter dem Anprall der göttlichen Essenzen sogleich seufzend vergisst, dass sie eigentlich lesbisch ist.

Therapie per Erotik-Food

Koch und Kellnerin, sexuell längst wieder entzweit, bauen nun ein Cateringunternehmen auf, das erotisierende Menüs zunächst im Auftrag einer Sexualtherapeutin anbietet, dann aber ins Milieu des käuflichen Sex abdriftet – Maravan muss Geld für die sterbenskranke Großtante verdienen, und Andreas Gefährtin Makeda, als Escort professionell versiert, knüpft die Kontakte. Das Geschäft brummt, das Geld fließt üppig in Maravans Tasche.

An dieser Stelle kommen die selbstverständlich schmierigen, versoffenen und nuttengeilen Waffenhändler ins Spiel, während in einer weiteren Parallelhandlung Maravans Neffe Ulagu nach Sri Lanka gerät und sich den tamilischen Guerillakämpfern anschließt, was absehbar schiefgeht. Das hochmoralische Ende: Ein guter Koch kann, so heißt es, zwar Kaltes in Warmes, Saures in Süßes und Weiches in Hartes verwandeln – aber nie Böses in Gutes.

Immer wieder dreht sich im Verlauf der Story der erwähnte Rotationsverdampfer, ein Hightech-Küchengerät, das die Wucht der Kräuter und Körner potenzieren hilft. Dramaturgisch ist er weitgehend überflüssig, doch diesen Fehler schleppt schon das Buch mit sich herum, das sich großenteils wie ein Manifest der Molekularküche liest, sogar mit Rezepten im Anhang. Der Verdacht liegt nahe, dass dies sogar der eigentliche Ausgangspunkt der Autors war, denn seine Geschichte, die anfangs durchaus erheiternd vom modernen Kochen und Essen handelt, liest sich bald bloß wie drangestrickt. Suter karikiert diese Stilistik nicht, spielt sie nicht wie so oft denunziatorisch aus gegen die althergebrachte und angeblich einzig wahre Küche – ein in Literatur und Kino eher rarer Blickwinkel. Dummerweise nur ist das molekulare Kochen heute längst nicht mehr so taufrisch wie beim Erscheinen des Buchs vor vier Jahren.

Immerhin bietet der Film viele schöne Bilder von authentisch wirkenden Gerichten, deren Erschaffung aber nicht zu sehen ist; auch dürfte sie mit ein paar im Kleinwagen herumgeschleppten Utensilien kaum gelingen. Auf der positiven Seite stehen die Schauspielerleistungen, inklusive der in London gecasteten und teils aus Debütanten bestehenden asiatischen Akteure. Dass deren durchaus längere Dialoge in Tamil allerdings absonderlicherweise nicht untertitelt wurden, macht die Sache für sprachlich mittelbegabte Mitteleuropäer nicht einfacher.

In Berlin im Adria, Cinemaxx und im Kino Intimes

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