Film : Musikstudio auf zwei Beinen

Die Stimme als Rhythmusmaschine: Mando ist deutscher Beatbox-Meister. Heute läuft ein Film über ihn.

Rita Nikolow
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Gut bei Stimme. Daniel Mandolini ist ein Tonakrobat. -Foto: Kleist-Heinrich

Mando wirkt, als hätte er einen Kassettenrekorder verschluckt. Mit geschlossenen Augen sitzt der 25-Jährige im schmalen Wohnzimmer seiner Schöneberger Wohnung, sein Oberkörper zuckt und bebt unter dem dunklen Sweatshirt, die Baseballmütze auf den dunklen Locken ist verrutscht. Die Geräusche, die aus Mandos Mund kommen, klingen nicht menschengemacht, sondern elektronisch, wie am Computer oder Mischpult erzeugt.

Mit seinem Mund, dem Hals, Rachen, Gaumen, der Zunge und den Zähnen kann Mando aber auch ganz andere Geräusche nachahmen, zum Beispiel Tiergeschrei, vorbeibrausende Züge – oder Orchesterinstrumente. Die Fähigkeit, alle diese Geräusche zu erzeugen, wird als Beatboxen bezeichnet. Viele Menschen halten Mando deshalb zunächst für einen Boxer. „Die sagen dann oft: Zeig mal deine Muckis“, erzählt er.

Mando heißt eigentlich Daniel Mandolini, ist zweifacher deutscher Beatboxmeister und einer der Protagonisten des Dokumentarfilms „Love, Peace and Beatbox“, der heute auf der Berlinale läuft. Zwei Jahre lang hat Regisseur Volker Meyer-Dabisch die erfolgreichsten Berliner Beatboxer mit der Kamera begleitet. Darunter Bee Low, der die deutsche und die Weltmeisterschaft im Beatboxen organisiert. Und Mandos Beatbox-Kollegen Wetlipz und Chlorophil, mit denen er als Beatbox-Crew „4XSample“ auf der Bühne steht. Die drei sind deutsche Meister im Team-Beatboxen. Mando kennt das Erfolgsrezept seiner Crew: „Wir haben eine gute Technik und kommen schon ziemlich charmant rüber,“ sagt er selbstbewusst, „außerdem arbeiten wir viel mit Kostümen.“ Auf Youtube sind sie zum Beispiel als Sumo-Ringer zu sehen.

Zum Beatboxen kam Mando 1999, als er nach Berlin zog. „Die ersten Gleichaltrigen, zu denen ich Kontakt hatte, waren Hiphopper“, erinnert er sich. Beatboxen ist neben Graffiti, Breakdance, dem Plattenauflegen und Rap das fünfte Element des Hip-Hop. Am Beatboxen hat Mando das Musikalische gereizt. Die Liebe zur Musik haben ihm seine argentinischen Eltern vererbt, sein Vater ist Dirigent, die Mutter Musiktherapeutin. Mando studiert Gitarre an der Musikhochschule Hanns Eisler, im Sommer will er seinen Abschluss machen. Mehr Zeit hat er in den vergangenen Jahren aber mit dem Beatboxen verbracht: „Wenn ich Gitarre übe, muss ich mich erst einspielen. Beatboxen kann ich dagegen überall üben, auf dem Weg zum Bäcker, an der Bushaltestelle oder im Bad“, erklärt er.

Reizvoll findet Mando auch, dass es beim Beatboxen noch keine festen Strukturen gibt: „Ich fühle mich wie ein Pionier, der ständig auf der Suche nach neuen Geräuschen ist.“ Ist ein neuer Sound oder Rhythmus entwickelt, wird er allerdings schnell nachgemacht: „Manchmal arbeite ich jahrelang an Techniken, und die 17-Jährigen im Publikum schauen sich das ab und können es nach einer Woche auch.“

An Anfänger gibt Mando sein Wissen gerne weiter: Ab dem 19. Februar unterrichten er und Bee Low Beatboxen – in der Tanzschule der „Flying Steps“. Mando möchte seinen Schülern vermitteln, wie exotisch die eigene Stimme sein kann, wenn sie trainiert wird. Mit seinen verschiedenen Beatbox-Jobs kann sich der Student finanziell gut über Wasser halten: Mal tritt er auf Messen auf, mal arbeitet er im Theater. Bis Ende des Jahres untermalt er Michael Voglers Theaterstück „Klasse, Klasse“ mit Geräuschen und Gitarrenmusik. Aufgeführt wird das Stück im Studio des Admiralspalastes. Nach seinem Abschluss will Mando außerdem als Gitarrenlehrer arbeiten. Viel Freizeit bleibt da nicht. „Dafür kann ich machen, was mir Spaß macht“, sagt er.

Im Sommer vertritt Mando Deutschland bei der Beatbox-WM in Berlin: „Ich habe da wenig zu verlieren, denn jeder, der da antritt, ist nationaler Meister.“ Seinen Heimvorteil will er trotzdem nutzten. Weitaus mehr Chancen rechnet er sich aber als Team aus: „Mit“,4XSample’ treten wir als Nationalmannschaft an“, erzählt er, „da werden wir showmäßig alle Register ziehen.“ Rita Nikolow

Der Film „Love, Peace and Beatbox“ von Volker Meyer-Dabisch läuft am 17. Februar um 20.30 Uhr im Cinemaxx 1 am Potsdamer Platz.

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