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Film von Jem Cohen und Peter Sillen : Dokumentation über Sänger Benjamin Smoke

Kai Müller

Der Film ist ein Requiem. Man merkt das nicht sofort: voller Leben, Kraft, Ungestüm. Ein Mann sitzt auf einem Stuhl, zwischen den Beinen einen Mikrofonständer, das Mikrofon mit beiden Händen umklammert, eine Zigarette, die aus der geballten Faust herausragt, verglüht. Was man sieht, sind die Schlieren des aufsteigenden Rauchs, was man hört, der klagende Gesang eines Mannes, der sterben wird. Eine einfache, aber wunderschöne Analogie, mit der Jem Cohen und Peter Sillen ihre Dokumentation über den Sänger Benjamin Smoke einleiten.

Benjamin, der einen Tag nach seinem 39. Geburtstag an Aids starb, war der Sänger der nach ihm benannten Band Smoke. Es gab Leute - darunter Michael Stipe von R. E. M. - die sie für die beste Band Atlantas hielten. Ihr wüster, zärtlicher, stoisch-verzeifelter Sound, der sich aus Rock, Punk, Country und Blues-Elementen speiste, lebte vor allem von der Leidenschaft Benjamins. Seine rauhe, an Tom Waits und Captain Beefheart erinnernde Stimme, seine Weigerung, sich dem vermeintlichen HIV-Todesurteil zu fügen, machen seine Auftritte zu einem impulsiven Erlebnis. Die Kamera scheint sich ihm mit derselben Besessenheit zu nähern. Sie ist ständig in Bewegung, ein nervöses Fotoauge, das sich an Details von Benjamins Umgebung festklammert und in ihnen den morbiden Charme der Südstaaten wieder entdeckt. Man hört Sätze wie: "Wir halten uns für ziemlich cool, wenn es um den Tod geht. Aber jedes Mal, wenn wir ihm begegnen, ist er so gottverdammt anders." Erst allmählich begreift man, dass Patti Smiths Song "Death Singing" wie ein Menetekel über den Bildern schwebt: "And he does not sing a thing mournful."

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