Film : Zulauf für "Tal der Wölfe" hält an

Der politisch umstrittene türkische Film "Tal der Wölfe" hat in Deutschland weiterhin starken Zulauf. Am vergangenen Wochenende zog der Polit-Actionfilm über 66.600 Zuschauer an.

Hamburg/Köln - Dies erfuhr die Deutsche Presse Agentur (dpa) am Montag aus Branchenkreisen. Damit haben seit dem Start der Kinoadaption einer in der Türkei erfolgreichen TV-Actionserie am 9. Februar über 266.600 Menschen den Streifen gesehen. Darin nimmt ein türkischer «Rambo» Rache an der - tatsächlich passierten - Verschleppung türkischer Soldaten durch US-Elitetruppen im Nordirak. An eine Absetzung des Films, wie von deutschen Politikern gefordert, sei nicht gedacht, teilte der Verleih «Maxximum Film» mit.

Die Bundesregierung begrüßte die Debatte über die Resonanz des Films «Im Tal der Wölfe - Irak». Es sei gut, dass darüber gesprochen werde, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin. Er verwies darauf, dass nicht nur in der Türkei, sondern auch in anderen Ländern über die Aussagen in dem Film diskutiert werde. Unter anderen hatte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) am Wochenende die deutschen Kinoverleiher aufgefordert, den «rassistischen und antiwestlichen Hass-Film» abzusetzen.

Meinungsfreiheit, das hohe Gut

Der Film wird in Deutschland bislang nur in türkischer Sprache mit deutschen Untertiteln gezeigt. Er läuft laut «Maxximum Film» in 65 Kopien vor allem in den großen Multiplex-Kinos. Eine deutsche Synchronfassung sei für März «angedacht», hieß es. Nach den dpa- Informationen soll die Synchronfassung in 300 Kopien in die deutschen Kinos kommen. Der Film, ein gigantischer Publikumshit in der Türkei, ist auch in anderen Ländern wie Österreich, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, England und der Schweiz zu sehen. Dort blieben Proteste wie in Deutschland aber bislang aus.

Der Film mit vielen Gewaltszenen zeigt auch Gräueltaten gegen eine irakische Hochzeitsgesellschaft und authentische Folterbilder aus dem berüchtigten US-Gefängnis Abu Ghoreib. Bei der Galavorführung in Ankara am 2. Februar war auch zahlreiche politische Prominenz vertreten. Parlamentspräsident Bülent Arinc wurde danach mit den Worten zitiert: «Ein fantastischer Film, der in die Geschichte eingehen wird.» Die türkische «First Lady» Emine Erdogan beglückwünschte den Hauptdarsteller Necati Sasmaz zu dem Film, den sie als «originell» bezeichnete. Laut türkischen Medienberichten hat auch Ministerpräsident Erdogan angeblich Gefallen daran gefunden.

Platte Feindbilder

Das Deutsch-Türkische Forum der CDU hat sich gegen die von Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) geforderte Absetzung des türkischen Action-Films «Tal der Wölfe» ausgesprochen. «Wir bewegen uns schrittweise auf einen Kampf der Kulturen zu, das ist gefährlich», sagte der Vorsitzende des CDU-Forums, Bülent Arslan, dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Der Film habe zwar keinen guten Einfluss auf türkische Jugendliche in Deutschland. Aber auch viele Hollywood- Filme arbeiteten mit platten Feindbildern. «Auch in diesem Fall hat Meinungsfreiheit Vorrang. Es hilft überhaupt nicht, den Film zu verurteilen oder jene, die ihn sich ansehen», fügte Arslan hinzu.

Ähnlich äußerte sich, ebenfalls am Montag im «Kölner Stadt- Anzeiger», Christian Ströbele von den Grünen: «Das mag ein unerfreulicher Film sein. Aber für irgendwelche Maßnahmen sehe ich überhaupt keinen Anlass.» Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok sagte, es sei die Verantwortung von Kinobetreibern, die Verbreitung von Feindbildern nicht zu akzeptieren.

Kritiker meinen, der Westen, Juden und Christen insgesamt würden als Feinde des Islam dargestellt. Stoiber hatte Kinobetreiber aufgefordert, den «rassistischen und antiwestlichen Hass-Film» sofort abzusetzen. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte, wer den Film zeige, unterstütze den Hass auf jüdische Menschen. (tso/dpa)

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