Kultur : FILMBUCH

Jan Schulz-Ojala

Er ist ein Provo – bis heute. Provo? So nannte man in Amsterdam um die Wende zu den Siebzigern jene Leute, die lustvoll bis aggressiv neue Lebensmodelle etwa im Vondelpark spazieren trugen. Paul Verhoeven, 1938 in Amsterdam geboren, hat seine Landsleute bis zur eigenen – natürlich – provokanten Auswanderung 1985 in die USA bis zur Weißglut ins Kino getrieben; und auch die amerikanische Gesellschaft forderte er, längst Blockbuster-Regisseur, immer wieder mit seinen Filmwürfen heraus – mit grenzverletzungswütigen Sexszenen, albtraumhaft futuristischen Gewaltgestalten, sexueller Gewalt auch und immer wieder. Die Folge: Jubel und Vernichtung. Und der Gleichmut des Regisseurs: „Man hat meine Filme schon so oft verrissen, dass es schwer ist, mich aus der Fassung zu bringen.“

Ein sorgfältig edierter und opulent ausgestatteter Text-Bild-Band widmet sich nun chronologisch dem Gesamtwerk Verhoevens; und es tut dies mit gleicher Neugier für die frühen, anarchistischen Skandal-Erfolge („Türkische Früchte“, „Spetters“) wie die geläufigere US-Karriere. Detailreich, wenn auch nicht extrem tiefgründig schreiten die Autoren diese fraglos extreme Biografie ab, in der die Trias „Robocop“, „Total Recall“ und „Basic Instinct“ erst vom Hollywood-Olymp zu künden schien, bevor Verhoevens Drang zum Immerwiederneuen 1995 in den viel verspotteten Mega-Flop „Showgirls“ mündete. Davon hat er sich bis heute nicht recht erholt. Doch halt! „Scheiß drauf“, sagt der ewige Provo, „wenn keiner glaubt, dass ich was drehe, dann drehe ich es erst recht.“

— Douglas Keesey und Paul Duncan:

Paul Verhoeven.

Taschen Verlag Köln,

191 Seiten, 14,99 €

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