Kultur : FILMBUCH

Christiane Peitz

Das Mädchen France, das in „Chocolat“ (1988) den Hausdiener betrachtet: die Spannung zwischen der weißen Kolonialbeamtentochter und dem Afrikaner, zwischen Erster und Dritter Welt in einem neugierig-begehrlichen Blick. „S’en fout la mort“ (1990): ein Mann, eine Frau, Hahnenkämpfe, Blut, Sex – wieder mit Isaach de Bankolé. „J’ai pas sommeil“ (1994): die bloßgelegten Nerven der Schlaflosigkeit, eine Trance à la parisienne – mit Béatrice Dalle. In „Beau travail“ (1999) ist die Kamera vom Anblick der Söldner unter südlicher Sonne förmlich erotisiert.

Eine Regisseurin, die mit ihrer Kamerafrau Agnès Godard homoerotische Bilder macht? Warum gilt ein Kino der Körper, der sinnliche Blick auf Männerhaut, -haare und -schweiß partout als homoerotisch? Im Vorwort dieser ersten Claire-Denis-Monografie feiert Jim Jarmusch den einzigartigen Blick seiner Kollegin. Immer wieder verschränkt die in Kamerun aufgewachsene Französin Gewalt und Schönheit, Obsession und Observation. Vrääth Öhner schreibt über ihre Bilder der Entfremdung. Christine N. Brinckmann würdigt das Zärtliche und Feierliche eines Kinos, das auch Landschaften wie Körper wahrnimmt. Und der Philosoph Jean-Luc Nancy entdeckt im Filmkuss die Vermählung von Blut und Seele.

Gefühle sind Bewegung, sagen die hierzulande leider selten aufgeführten Filme von Claire Denis, Bewegung ist Tanz, Tanz ist Ekstase. Und Sehen eine Art des Verstehens von all dem, was sich der Sprache entzieht.

— Michael Omasta, Isabella Reicher (Hg.): Claire Denis – Trouble Every Day. Österreichisches

Filmmuseum,

Synema-Publikationen. Wien 2005.

158 Seiten, 18 €

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