Kultur : FILMBUCH

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Heutzutage findet man alles im Internet. Alles? Bestimmte Nachschlagewerke auf gutem alten Papier – sorry, ihr Lieben von wikipedia! – sind beim besten Willen nicht wegzuklicken. Zum Beispiel die kleine, feine, bislang vierbändige Ausgabe der Reclam-Filmklassiker. Cooler Einband: weiß auf schwarz. Und erst das Innenleben: Was Kenner der Materie da schwarz auf weiß auf jeweils nicht zu knappem, aber wunderbar kompaktem Raum zusammentragen, das kann man – als Memo, als Anregung, mitunter auch als diskreten einstweiligen Lückenschließer – getrost dem eigenen Hirn- und Herzkasten hinzugesellen.

Elf Jahre nach der Startversion braucht das schöne Speichermedium nun ein klitzebisschen mehr Platz im Regal. Auf fünf Bände kommt das Update, im billy-kompatiblen Schwarz nun mit einem kräftigen Schuss Bronze-Metallic – und ein hübsch waghalsiges ist es obendrein. Schließlich reichen die Filmklassiker nun nicht mehr vom „Student von Prag“ bis „Lamerica“, sondern bis zum „Million Dollar Baby“ von 2004. Klassiker? Da kann natürlich das große Mäkeln anfangen. Erstens darüber, dass nach insgesamt sanftem Revirement – 118 neue Filmartikel stehen 30 ausgemusterten gegenüber – etwa „Fahrenheit 451“ fehlt, „M.A.S.H.“ oder auch „Full Metal Jacket“ (während wir hier etwa auf „Wetherby“ und „Under Fire“ locker verzichten); aber lassen wir das. Fragen wir auch nicht, angesichts der 54 Neueinträge nach 1994, nach dem Ewigkeitswert von „Brassed Off“, „Shakespeare in Love“ oder „21 Gramm“. Denn die Texte sind sicher erstens nützlich. Zweitens sortiert sich das. Und in zehn Jahren ist sowieso alles wieder – fast – neu. jal

— Filmklassiker. Hrsg. von Thomas

Koebner, 5 Bände,

Reclam Stuttgart, 2714 Seiten, 48 €.

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