Kultur : FILMBUCH

Karl Hafner

Wer gerne über die Vorhersehbarkeit des Hollywood-Kinos schimpft, findet in Der Böse steht noch einmal auf eine Menge brauchbare Munition für Stammtisch-Diskussionen. Christian Georg Salis hat in seinem Büchlein Hunderte von Hollywood-Klischees gesammelt und thematisch sortiert. Salis bietet unkommentiert Material: Vieles davon kennt man, einiges fällt jedoch erst bei der Lektüre auf. Schmunzeln muss man oft.

Dass Mobiltelefone nicht funktionieren, wenn man sie braucht, ist klar. Und dass es mal einen Cop-Film geben könnte, in dem der ermittelnde Polizisten keinen Strip-Club besucht, mag man sich gar nicht erst vorstellen. Das gehört einfach dazu, sei es aus Effektheischerei oder aus dramaturgischen Zwängen. Warum Klischees allerdings verwendet werden, darüber muss man auch nach der Lektüre rätseln. Im Vorwort weist er zwar darauf hin, dass Klischees auch Topoi, Grundbausteine unserer Erzählungen, sein können und somit viel über unsere Zeit und unsere Kultur verraten. Was, verrät Salis nicht.

Häufig dürften so genannte Klischees wohl vor allem der ökonomischen Erzählweise des Hollywood-Kinos geschuldet sein, das – oft auf geniale Weise – schon in wenigen Einstellungen das Wesentliche über Situationen und Personen präsentiert.Wenn jemand mit den Fingern beiläufig über ein altes Familienfoto streicht oder ein Polizist im Dienst ausschließlich Kaffee trinkt, dann erzählen bereits diese beiläufigen Details genug über die Sehnsüchte oder die sozialen Hintergründe der Figuren.

Bedenklich dagegen, wenn Film-Klischees – wie so häufig – bloß garstige Vorurteile zementieren. „Ein Schwarzer in einer Gruppe von Weißen ist gut. Mehrere Schwarze zusammen bilden eine Gang, die nichts Gutes im Schilde führt.“ Dann iat es das Böse, das tatsächlich aufsteht – mit jedem Film, der solche Klischees benutzt.

— Christian Georg

Salis: Der Böse steht noch einmal auf.

Schüren 2006,

112 Seiten. 9,90 €

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