Kultur : Filme aus Slowenien: Widerstand mit Folgen

Hans-Jörg Rother

Slowenien hatte Glück; der Krieg dauerte nur wenige Tage. Heute gilt das Land zwischen Alpen und Adria als Favorit für den Beitritt zur EU. Doch nicht nur auf das wirtschaftliche Wachstum können die knapp zwei Millionen Slowenen stolz sein, sondern auch auf eine florierende kleine Filmproduktion. Dank eines klugen Fördersystems entstehen jährlich vier Spielfilme sowie Kurz- und Dokumentarfilme, von denen nicht wenige auf internationalen Festivals Lorbeeren ernteten.

In Lubljana (Laibach) zeigte sich 1960 das erste bedeutende slowenische Regietalent. Bostjan Hladnik breitet in seinem Debüt "Tanz im Regen" in düsteren Schwarzweiß-Bildern den quälenden Zwiespalt eines Mittdreißigers zwischen Unabhängigkeitsdrang und Liebesverlangen aus. Opfer dieser Not, wie sie damals auch Pasolini, Antonioni oder Truffaut umtrieb, wird seine Frau, eine Schauspielerin.

Träume nehmen viel Raum in diesem noch heute bestürzenden Werk ein, das neorealistische mit expressionistischen Stilmitteln verbindet. Hladnik konnte noch einen zweiten Film in Jugoslawien drehen ("Das Sandschloß", 1963), dann emigrierte er in die BRD, wo kommerzielle Arbeiten sein Talent aufzehrten.

Der Tod setzte in vielen klassischen jugoslawischen Filmen ein pessimistisches Zeichen. Auch in Karpo Godinas wohlgemuter Satire "Roter Boogie" (1982) sorgt er für einen Schock, nachdem sonnenbeschienene Landschaften das Auge erfreuten: Am Gängelband eines Jugendfunktionärs darf ein Rundfunkblasorchester Produktionsarbeitern, Erntehelfern und fleißigen Sammlern der angeblich von Amerika eingeschleusten Kartoffelkäfer die Stimmung heben, um bei erstbester Gelegenheit, es sind die fünfziger Jahre, doch wieder den unerlaubten Boogie zu pflegen. In keinem anderen osteuropäischen Land hätte man sich damals eine derart höhnische Erinnerung an den Stalinismus leisten können.

"Tanz im Regen" und "Roter Boogie" bilden zwei Höhepunkte in der Reihe "Filme aus Slowenien", mit denen das Babylon seine verdienstvollen Bemühungen um das Kino des Balkan fortsetzt. In zwei neueren Produktionen, die schon auf dem Cottbuser Festival viel Zuspruch beim Publikum fanden, Igor Sterks Railroadmovie "Express, Express" von 1997 und der aufmunternden Erzählung vom Erwachen eines phlegmatischen Langzeitstudenten, "Müßiggang" von Janez Burger (1999), braucht der Tod keinen dramatischen Akzent mehr zu setzen. Doch in Andrej Osaks "Außenseiter" von 1996 findet das Sterben Titos im Jahr 1980 eine seltsame Entsprechung im tödlichen Scheitern eines Punk-Musikers. Den Schlusspunkt setzt "Fuck it!" von Miha Hocevar, eine Story von fünf jungen Großstadtbewohnern, an deren gelangweiltem Treiben ein Bauer Anstoß nimmt.

Nicht allein die sieben Spielfilme, die auf dem Programm stehen, auch die meisten kurzen Arbeiten überzeugen durch ihre unaufdringliche Poesie. Wer einen 17-minütigen Lehrgang über die Geschichte Sloweniens von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart absolvieren will, dem sei die "Kurze Hymne für meine Heimat" von Boris Palcic empfohlen. Fast ohne Dialog kommt auch Maja Weiss in ihrem schönen Versuch über eine junge Mutter, ihren Sohn "Adrian" und eine melancholische Begegnung am Meer aus.

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