Kultur : Filmemacher sucht Produzenten: "Hallo, Herr Eichinger, ich bin Stefan Trampe"

Stefan Trampe geht seit zehn Jahren auf die Berlinale. Der 35-jährige Regisseur hat selbst einige Filme gedreht. Sein letzter, "Der Kontrolleur", lief 1995 im Forum. Seitdem bietet er Stoffe an und wartet auf den richtigen Produzenten. Mit dem Tagesspiegel sprach er über das Geschäft mit den Filmen und die Schwierigkeit, auf Festival-Partys eine gute Figur zu machen. Protokolliert von Frank Rothe.

Auf Berlinale-Partys spreche ich mit Leuten aus der Branche vor allem darüber, was ich gerade tue, woran ich schreibe. Habe ich was Konkretes, ist das kein Problem. Es gab aber auch Zeiten, in denen ich kaum was auf Lager hatte. Dann habe ich gesagt: "Ich schreibe gerade". Das klingt immer gut und das sagen alle. Wer weiß schon, ob sie wirklich schreiben. Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt auf Empfänge gehe. Nur selten entsteht aus einem Smalltalk ein richtiges Gespräch, und am nächsten Tag hat man einen Kater. Dennoch finde ich das Drumherum dieser Scheinwelt sehr interessant. Alle rennen in Anzügen rum. Manchmal kommt mir das Ganze vor wie eine riesige Modenschau. Und jedes Mal sind wieder Leute da, die man noch nicht kennt.

Ein immer wiederkehrender Moment der Berlinale ist, dass einem auf Partys Leute über den Weg laufen, die einen grüßen, ohne dass man wüsste, wer das gerade war. Ihnen geht es genau so. Wenn man aneinander vorbei läuft, ist das noch in Ordnung. Dann sagt man "Hallo" und haut ab. Zuweilen wird man aber auch in ein Gespräch verwickelt. Ich weiß dann oft nicht, mit wem ich mich da gerade unterhalte. Bestenfalls stelle ich geschickt ein paar Fragen und komme dann irgendwann auf den Namen.

Es gab mal eine schöne Situation, da wollte ich zwei Produzenten kennen lernen. Als ich auf die Party kam, standen beide direkt vor mir. Ich dachte: "Ach, das ist jetzt irgendwie blöd. Kaum bist du da, quatschst du die schon an. Trink lieber erst mal ein Glas Sekt und nerve die später." Später habe ich sie nicht wiedergefunden. So ist das meistens, ich denke mir, dass ich das lieber mal ein bisschen ruhig angehen lasse, sause durch die Gegend, treffe andere Leute und dann sind die, die ich kennen lernen wollte, längst fort.

Ob ich Bernd Eichinger ansprechen würde? "Hallo Herr Eichinger, ich bin Stefan Trampe." "Ach so. Ist ja interessant. Kenne ich aber nicht." Persönliche Kontakte bringen einfach viel mehr, als wenn man seine Filmstoffe durch die Welt schickt, zu Leuten die einen gar nicht kennen und sich meistens auch nie wieder melden.

In diesem Jahr habe ich mich am meisten darüber geärgert, dass ich keine Karte für die Eröffnungsveranstaltung der Berlinale bekommen habe. Ich habe zu der Frau mit den Listen gesagt: "Das liegt wohl daran, dass Schröder da ist." Vor zwei Jahren, als Schröder die Berlinale eröffnete, gab es auch keine Karten. Vermutlich wird da mal kurzfristig das Protokoll geändert, um Platz für Bodyguards und sonst wen zu schaffen. Ich habe der Frau am Schalter gesagt: "Das kann nicht sein, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird. Ich habe den Eindruck, dass die Einladungen immer mehr an Leute verteilt werden, die überhaupt nichts mehr mit Film zu tun haben, an irgendeine Schickeria. Und die Leute, die Film machen, müssen betteln." Ich habe ja welche gemacht. Und auch Preise dafür bekommen. Mein erster war der "Goldene Gnom", auf einem Filmfestival in Münster. Leider habe ich von dem Gnom nur noch die Nase. Ich weiß nicht, wo der Rest hin ist, aber die goldene Nase ist noch da. Auf einem Festival in Portugal überreichte man mir eine opulente Holzplastik für den besten Erstlingsfilm. Sie war schwerer als mein ganzes Gepäck.

Momentan drehe ich Imagefilme. Mein letzter handelte von Polymeren, langen molekularen Ketten. Die sind ziemlich schlecht zu sehen und wenn man mit Film arbeitet, will man eigentlich was sehen. Wir haben viele bunte Folien vor die Kamera montiert und alles ein bisschen aufgepeppt. Alles in allem war das nicht gerade die spannendste Sache - dafür aber gut bezahlt. Mein Lieblingsstoff ist ein Roman, dessen Verfilmung sicher nicht unter 10 Millionen zu machen ist. Bei dieser Summe springt ganz sicher jeder Produzent vor Freude an die Decke. Derzeit schreibe ich an einem Zockerstoff, dem "Tagebuch eines Spielers". Der wird nicht so teuer. Bis zu meinem nächsten runden Geburtstag will ich jedenfalls wieder einen Film drehen. Das ist meine Deadline.

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