Kultur : Filmfest Venedig: Machtkampf um de Hadelns Vertrag

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Die vor wenigen Wochen noch als sicher geltende Vertragsverlängerung des Chefs der Filmfestspiele von Venedig, Moritz de Hadeln, eskaliert zum offenen Machtkampf zwischen dem italienischen Kulturministerium und der Leitung der Biennale Venedig. In einem Telegramm hat Kulturminister Giuliano Urbani (Forza Italia) dieser Tage den Präsidenten der traditionsreichen Kulturinstitution, Franco Bernabè, angewiesen, die für den gestrigen Montag vorgesehene Vertragsunterzeichnung nicht zu vollziehen. Formale – und umstrittene – Begründung für die in italienischen Medien als beispiellose Pression gekennzeichnete Demarche: Der Verwaltungsrat, dem Bernabè angehöre, werde im Januar einem „legislativen Dekret“ zufolge neu zusammengesetzt.

In Italien gilt es jedoch als offenes Geheimnis, dass Urbani eine weitere Amtszeit de Hadelns um jeden Preis verhindern will. Bereits unmittelbar nach den Filmfestspielen war der Festivalchef unverblümt dafür kritisiert worden, sich zu wenig für den von der staatlichen RAI produzierten Film „Buongiorno, notte“ von Marco Bellocchio eingesetzt zu haben. BiennaleChef Bernabè hatte sich demonstrativ vor de Hadeln gestellt und auch die eigene Weiterbeschäftigung mit der Personalie seines Filmfestchefs verknüpft. Auch Urbanis Wunsch, das Festival zum Schaufenster vor allem für italienische Filme zu machen, gilt als äußerst umstritten.

Unterdessen regt sich Widerstand in der Kulturszene gegen die immer deutlichere Einflussnahme der Regierung auf die Biennale. So planen derzeit mehrere ehemalige Filmfestchefs laut einer Mitteilung des Filmkriterverbands Fipresci, zur nächsten Mostra ein Alternativfestival auszurichten, sofern de Hadeln nicht im Amt bestätigt werde. jal

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