Filmfestival Cannes : Goldene Palme geht nach Rumänien

Zu ersten Mal in der Geschichte des berühmten Filmfestivals von Cannes geht der erste Preis, die Goldene Palme, nach Rumänien. Der deutsch-türkische Regisseur Fatih Akin gewann den Preis für das beste Drehbuch.

Cannes - Beim 60. Filmfestival von Cannes hat der Rumäne Cristian Mungiu mit "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" die Goldene Palme gewonnen, während der Hamburger Filmemacher Fatih Akin den Drehbuchpreis erhalten hat. Die Jubiläums-Festspiele gingen am Sonntag mit einem Gala-Abend zu Ende. Dabei herrschte zwischenzeitlich ein Hauch von Nostalgie. US-Legende Jane Fonda übergab den Hauptpreis, nachdem sie selbst eine Goldene Sonder-Palme erhalten hatte. Frankreichs Altstar Alain Delon erinnerte an die vor 25 Jahren gestorbene Romy Schneider.

Der Siegerfilm erzählt die erschütternde Geschichte einer Frau, die im kommunistischen Rumänien eine illegale Abtreibung vornehmen lassen will. Am Vorabend hatte "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" bereits den Preis der internationalen Kritik erhalten. US-Regisseur Gus Van Sant erhielt den eigens ausgelobten Jubiläumspreis. Der 54-Jährige bekam die Sonder-Ehrung für sein Jugend-Drama "Paranoid Park". Van Sant hatte 2003 mit seinem Gewalt-Drama "Elephant" die Palme errungen, die als wichtigster Preis der internationalen Filmwelt neben den Oscars gilt. Den Vorsitz der Hauptjury hatte in diesem Jahr der britische Regisseur Stephen Frears ("The Queen").

Der Deutschtürke Akin erhielt den Drehbuchpreis für "Auf der anderen Seite". Akin richtete anschließend ein Wort an die Türken: "Ich habe eine besondere Botschaft für die Türkei, weil es Wahlen gibt: Man muss geeint bleiben, sonst stürzen wir." Er hatte bereits den Preis der Ökumenischen Jury erhalten. Der jüngste Film des Berlinale-Siegers von 2004 erzählt die Geschichte von sechs Menschen in Deutschland und der Türkei, die schicksalhaft aufeinander treffen. Hanna Schygulla, einst Muse des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder, spielt eine der Hauptrollen.

Akin: "Sehr froh, sehr stolz"

Nach der Ehrung sagte der 33-jährige Akin im Sender Canal+, er sei "sehr froh, sehr stolz". Nun stehe er auf einer Ebene mit dem Drehbuchschreiber Guillermo Arriaga (Mexiko), der 2005 für "The Three Burials of Melquiades Estrada" von Tommy Lee Jones (USA) den Preis erhalten hatte. Damals hatte Akin in der Jury gesessen.

Der US-Künstler Julian Schnabel errang den Regiepreis für seinen in Frankreich produzierten Film "Le Scaphandre et le Papillon". Etgar Keret und Shira Geffen erhielten die Goldene Kamera für den besten Erstlingsfilm mit ihrem Streifen "Meduzot" (Die Medusen). Der Zeichentrickfilm "Persepolis" von Marjane Satrapi (Iran) und Vincent Paronnaud (Frankreich) erhielt den Preis der Jury. Die Gala im Festivalpalast an der Côte d'Azur wurde von der deutschen Schauspielerin Diane Kruger moderiert, die ihre Ansprache mit den Worten "Bonsoir, Good Evening, Guten Abend" eröffnet hatte. (tso/dpa)

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