Filmfestspiele : Jubiläums-Berlinale fährt ohne Topsponsor VW

Der Hauptsponsor der Berlinale ist abgesprungen. Dem Budget dürfte nun die eine oder andere Million fehlen.

Das verflixte siebente Jahr gilt offenbar nicht nur für Ehen, sondern auch für geschäftliche Beziehungen, sofern sie das sensible Privatförderwesen bedeutender Filmfestivals betreffen. Vor einigen Jahren ersetzte das ZDF als Berlinale-Hauptsponsor den Privatsender Sat 1, der das ehrenvolle und beiderseits lukrative Mandat sieben Jahre lang ausgeübt hatte. Nun ist, nach ebenso langem gegenseitigem Einvernehmen, Hauptsponsor VW abgesprungen. Womit dem Berlinale-Gesamtbudget von etwa 16 Millionen Euro – genau lässt sich das Festival bei den auch mit Sachleistungen verbundenen Verträgen ungern in die Karten schauen – nun die eine und vielleicht auch die andere Million fehlen dürfte.

Die schlechte, nicht ganz unerwartete Nachricht – der Vertrag lief im März aus, zuvor hatte VW seine „People’s Night“ genannte Berlinale-Party abgesagt – geht über die eher oberflächlich bemerkenswerte Information hinaus, dass die Stars künftig nicht mehr im VW Phaeton am roten Teppich anreisen. Denn die Wirtschaftskrise hat vor allem die Autobranche und dort vor allem die Produzenten auch großer Karossen erwischt. Wenig wahrscheinlich, dass Daimler, Volkswagens Vorgänger als Hauptsponsor, nun flugs wieder einsteigt. Auch BMW, seit Jahren mit der umstrittenen, während der Berlinale stattfindenden Charity- Gala „Cinema for Peace“ verbandelt, dürfte dem Vernehmen nach nicht eilends in die Bresche springen.

Dennoch: Schon gestern zeichnete sich ab, dass die Berlinale, deren Vorbereitungen zur 60-Jahr-Feier bereits kräftig anlaufen, nicht gerade wird darben müssen. Nicht nur, weil die beiden anderen Hauptsponsoren ZDF und L’Oréal vertraglich bis 2011 bzw. 2010 ans Festival gebunden sind. Sondern auch, weil der Bund als Hauptgeldgeber dieses international zugkräftigsten deutschen Kulturereignisses – zum Etat steuert er 6,3 Millionen Euro bei – kein Interesse daran haben kann, seinen auch medial so viel umschwärmten kulturellen Zwölfzylinder gegen die Wand zu fahren. Nur: Selber Luxusautos bauen kann er nicht. jal

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