Kultur : Filmfestspiele: Venedig schaut nach Asien

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Festivalchef Marco Müller kann zufrieden sein. Nachdem seine LidoPremiere 2004 wegen Organisationspannen von sich reden gemacht hatte, sitzt er nun auf einem – für italienische Verhältnisse komfortablen – Dreijahresvertrag. Er dürfte diesmal, mit drei italienischen Wettbewerbsfilmen und einer Hand voll weiterer italienischer Koproduktionen, die vergangenes Jahr noch maulenden Berlusconi-Regierungspolitiker zufrieden gestellt haben. Außerdem erfüllt sich der Sinologe und Liebhaber (sowie Ex-Produzent) asiatischer Filme selbst gleich drei Wünsche. Er eröffnet am Mittwoch das Festival, außer Konkurrenz, mit dem Schwertkämpfer-Epos „Seven Swords“von Tsui Hark. Dem japanischen Anime-Großmeister Hayao Miazaki, dessen „Wandelndes Schloss“ gerade in den deutschen Kinos läuft, verleiht er einen Ehren-Löwen, und unter dem Motto „The Secret History of Asian Cinema“ hat Müller persönlich eine Asien-Retro zusammengestellt.

Der aus 19 Filmen bestehende Wettbewerb gibt sich überwiegend europäisch: Neben den Italienern Cristina Comencini, Pupi Avati und Roberto Faenza sind die Franzosen Patrice Chéreau, Laurent Cantet und Philippe Garrel vertreten. Die US-Amerikaner Abel Ferrara, George Clooney und John Turturro sind im Wettbewerb mit Independent-Filmen dabei, während besonders starträchtige Produktionen – etwa von Cameron Crowe, Ron Howard und John Singleton – außer Konkurrenz von sich reden machen dürften. Und die Deutschen? Venedig schneidet sie nicht so chronisch wie einst Cannes, aber auch diesmal bleibt ihnen, mit drei Dokumentarfilmen, nur die „Horizonte“-Nebenreihe. Werner Herzog stellt darin „The Wild Blue Yonder“ über im All verlorene Astronauten vor, Philip Gröning porträtiert in „Die große Stille“ ein Kartäuser-Kloster, außerdem ist „Veruschka“ von Bernd Böhm und Paul Morrissey zu sehen. Das Filmfestival dauert bis zum 10. September.jal

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