Kultur : Filmförderung: Das verflixte siebente Jahr

Jan Schulz-Ojala

Erst der Stoßseufzer: Die Filmboard, Filmförderung der Länder Berlin und Brandenburg, übersteht auch ihr siebentes Jahr. Die drohende Fünf-Millionen-Mark-Kürzung von Seiten Brandenburgs, die eine gleichwertige Kürzung Berlins nach sich gezogen hätte, ist vom Tisch - sofern man den Andeutungen von Filmboard-Chef Klaus Keil und Hans Peter Morgenroth, dem Filmboard-Aufsichtsratsvorsitzenden und Vorstandsmitglied der Landesbank Berlin, Glauben schenken darf. Voraussichtlich über Umschichtungen im Brandenburger Wirtschaftsressort dürfte das Geld zusammenkommen, sagte Morgenroth, und Klaus Keil ergänzte auf der Filmboard-Jahrespressekonferenz mahnend wie, ja, jedes Jahr: "Wir brauchen Planungssicherheit."

Jeweils rund 12,5 Millionen Mark steuern Brandenburg und Berlin bei, hinzu kommen rund sieben Millionen nicht ganz uneigennützig gedachte Zuwendungen der auch Filme produzierenden Sender ZDF, Sat1 und Pro7 - mit den etwa 32 Millionen Mark, ergänzt durch Rückflüsse aus erfolgreichen Filmen, lässt sich kalkulieren. Und doch, verglichen mit den Filmförderungen Nordrhein-Westfalen und Bayern, die bis zum Dreifachen in die Filmwirtschaft pumpen, wirkt die Filmboard wie ein armer Verwandter. Gleichzeitig boomt die Region: Babelsberg macht mit Großproduktionen von sich reden, junge Produzenten und Regisseure drängen nach Berlin, und auch der wirtschaftsfördernde Regionaleffekt der geförderten Projekte kann sich sehen lassen. Nur: Wie geht das mit der alljährlichen Zitterpartie zusammen? Müsste die Filmboard, bei all den Pluspunkten vor der Haustür, nicht die Nummer eins sein - oder zumindest werden wollen?

Klaus Keil, der sich gerne einen "stillen Lobbyisten" nennen lässt, plant lieber vorsichtig. "Ein mühsames Geschäft" sei die Beschaffung des "Lebensmittels" namens Geld - aber so lange dies Jahr für Jahr gelinge, wolle er nicht verzagen. Mehr Aufgeschlossenheit vor allem der Brandenburger Politiker wäre allerdings hilfreich. "Die investieren in sterbende Schwerindustrien des 19. Jahrhunderts", bricht es einmal aus ihm heraus, "statt in die Medienindustrie". Banker Morgenroth sekundiert kühl, da beide Länder finanziell leider sehr klamm seien, müsse man verstärkt auch an die Erschließung privaten Kapitals denken, etwa durch Filmfonds. Das Studio Babelsberg mache dies derzeit schon vor.

Gejammert also wird, gejammert aber wird wenigstens tapfer. Schließlich muss die Filmboard ihre Bilanz nicht verstecken. 212 Millionen Mark hat sie seit ihren Anfängen an 860 Projekte ausgezahlt - immerhin 550 Millionen Mark flossen in die Region zurück. Mit solchem Regionaleffekt stehe man zum Beispiel besser da als Nordrhein-Westfalen, sagt Keil. Die Zahlen für 2000: rund 36 Millionen Mark für knapp 200 Vorhaben. Immer wichtiger neben den Zuwendungen für drehreife Projekte wird dabei das Geld, das in Stoff- und Projektentwicklung fließt - jenen Anfangsschub, nach dem man die Spreu vom Weizen trennt. Vier Millionen Mark, proportional dreimal mehr als die Konkurrenz, investierte die Filmboard hierfür, und "aus fast jedem vierten Stoff und jedem zweiten Projekt wird auch was", sagt Keil stolz. In den angelsächsischen Ländern liege die Quote nur bei zehn Prozent.

Intelligente Konzepte, wohin man blickt. Ob sie nur mit mehr Charisma verkauft sein wollen? Der neue Berlinale-Chef Kosslick, der die Filmförderung Nordrhein-Westfalen in wenigen Jahren an die Spitze führte, hat es vorgemacht. Aber er war wohl ein eher lauter Lobbyist.

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