• Filmkritik: Einfühlsam mit nordischer Gelassenheit: Der Berlinale-Beitrag "Glowing Stars"

Filmkritik : Einfühlsam mit nordischer Gelassenheit: Der Berlinale-Beitrag "Glowing Stars"

Partys, Jungs und Alkohol: Das Teenie-Leben macht Spaß, wenn Jenna mit ihrer Freundin Ullis zusammen ist. Doch zu Hause liegt ihre krebskranke Mutter im Bett. "Wenn du stirbst, Mama, bringe ich mich um", schreibt Jenna auf einen Zettel, den sie mit sich in der Tasche trägt. "Glowing Stars" (Schwedischer Originaltitel: I Taket Lyser Stärnorna) – ein bewegender Berlinale-Beitrag aus der Reihe "Generation 14+" – nicht nur für Teenager.

Ulrike Pape
Berlinale Glooming Stars
Hoffnunsvolle Schweden. Jenna (Josefine Mattsson) und ihre Freundin Ullis (Mika Berndtsdotter Ahlén, l.) in "Glowing Stars". -Foto: Elin Berge/Moment

Spätestens im Sommer will Jennas Mutter Liv (Annika Hallin) wieder gesund sein. Doch es kommt anders: Die Chemotherapie schlägt nicht an, beim Einkaufen kippt Liv plötzlich um. Mutter und Tochter müssen zur Großmutter (Anki Lidén) ziehen. Die macht sich schreckliche Sorgen – zum Unmut von Jenna (Josefine Mattsson). "Es geht nicht weg, wenn wir nicht darüber reden", sagt Liv leise. Aber die 14-Jährige verdrängt lieber als sich der Krankheit ihrer Mutter zu stellen.

Da draußen wartet ja auch noch das Leben

Ihre Sorgen vergisst Jenna besonders gut in Ullis Gesellschaft. Die ist stark und selbstsicher und bei allen in der Schule beliebt. Außer bei Susanna, Jennas Sandkastenfreundin, die in Ullis nur eine oberflächliche Partytusse sieht – und natürlich eine Rivalin. Aber dann ist es gerade Ullis, die für Jenna da ist und kein Blatt vor den Mund nimmt: "Es bringt nichts, so zu tun, als ob dir alles egal sei", sagt sie, "Vergiss nicht, deine Mutter wird bald tot sein".

Es ist ein trauriges Thema, mit dem sich der Film auseinandersetzt, und wie zu erwarten, ist auch das Ende traurig, aber trotzdem hoffnungsvoll. Regisseurin Lisa Siwe wollte die Realität, schonungslos wie sie ist, darstellen, aber trotzdem auch Mut machen, sagte sie nach der Premiere auf der Berlinale. Das ist ihr zweifellos gelungen. Nicht nur mit der Geschichte selber, nach der Buchvorlage "An der Decke leuchten die Sterne" von Johanna Thydel, ausgezeichnet mit dem schwedischen August-Strindberg-Preis, auch mit Schnitt, Musik und Bildsprache.

Fazit: Authentisch, ausdrucksstark und ergreifend, aber ohne dick aufzutragen. So wollen viele Filme sein, meist vergebens. Nicht so "Glowing Stars": Ein wunderbarer Film über Erwachsenwerden, echte Freundschaft, Sterben und Tod.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben